30 Tage on the road again – und jeden Tag Faszination pur!

Über einen Monat bin ich nun schon auf Roadtrip. Der Weg: die gesamte Westküste der USA abzufahren… von Seattle nach San Diego. Natürlich nicht ohne die Abstecher ins Canyon-Land zu unternehmen um dann von San Diego aus wieder an der Küste zurück nach San Francisco zu fahren.

Was ich hier erlebe ist atemberaubend! Und zwar jeden einzelnen Tag. Einfach unglaublich schön, was Mutter Natur uns hier geschenkt hat. In tiefer Demut und mit ganz großer Dankbarkeit genieße ich die Tage „on the road“ – mein bisher längster Roadtrip an einem Stück geht weiter … ich bin noch lange nicht am Ziel!

On the road - Westcoast USA

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Juhuuu!

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Dienstag, 26. Juli 2016

Es geht wieder los! Die Nacht vor dem Aufbruch ist aufgeregt… wie immer, wenn es in ein neues Land geht. Um 6 Uhr werde ich abgeholt und zum Flughafen gebracht. Danke Andrea für diesen Liebesdienst!!!

Beim Einchecken bei Lufthansa bin ich dann endgültig wach – dank Adrenalinschub. Das System meldet nämlich, dass mein ESTA (die Einreiseerlaubnis der USA) nicht in Ordnung sei. Einige Überprüfungen und Telefonate später lassen sie mich dennoch nach Frankfurt fliegen. Dort darf ich dann bei Condor noch mal nachprüfen. Ich tu´s natürlich gleich und laut Server der US-Regierung ist alles in bester Ordnung, was sich bei Condor später auch bestätigt.

Bei der Ausreise aus Deutschland steht neben mir eine junge Frau aus Seattle… sie fliegt heim – allerdings weiter nach Utah, da ihre Familie dorthin umgezogen ist… sie schwärmt mir vor von ihrer Stadt und bedauert, dass sie weiter muss. Ich auch 😉 – ich hätte sie sonst als Guide engagiert. Beharrlich trägt sie einen Regenschirm mit sich und ich frage natürlich warum. Sie sagt: „you always have to expect rain in Seattle“… ooookkaaaayyyy. Wir werden sehen – und wieder einmal bin ich ein Glückspilz!

Im Flugzeug sitzt Kirsten neben mir mit ihrer Tochter – eine tolle Frau! Sie hat bis vor kurzem in München (Pasing, haha) gewohnt und ist jetzt nach Berlin umgezogen. Wir mögen uns auf Anhieb! Sie hat die Tour schon vor ein paar Jahren unternommen in umgekehrter Reihenfolge von Süd nach Nord – und ist in Portland hängengeblieben. Jetzt will sie den Rest von Vancouver bis Portland mit ihrer Tochter machen. Wir verabreden uns für Portland, wenn ich dort vorbeifahre, melde ich mich bei ihr!

Am Flughafen in Seattle (es ist immer noch der 26.7.! – hier jetzt 16.00 Uhr – in Deutschland bereits 1 Uhr nachts des folgenden Tages – hole ich das Auto und fahre los Richtung Universitätsviertel, wo ich mich in einer Travellodge eingemietet habe. Langsam komm ich mir ein wenig verkatert vor – so nach 24 Stunden auf den Beinen. Ich drehe noch eine Runde mit dem Auto zum Union und Washington Lake und werde beschenkt mit einem glasklaren Blick auf den Mt. Rainier, der schneebedeckte Vulkan etwa 200 km südöstlich von der Stadt, der – so die Sage – angeblich nur maximal 5 Tage im Jahr zu sehen ist. Na, einen hab ich schon mal erwicht… aber es kommt noch besser!

Im Italiener neben dem Hotel gibt es zum Dinner noch eine Pasta und ein Glas Wein. Und dann – kippe ich ganz von allein selig in mein Kingsize-Bett.

 

Mittwoch, 27.6.2016

Die Sonne scheint vom azurblauen Himmel! Yeah – so liebe ich das. Und da ich früh auf bin geht´s auch gleich per Bus zur Bahn – dem sogenannten Link zwischen Washington University und der Innenstadt. Am Pioneer Square steige ich aus und treffe das erste Mal auf die noch menschenleere Altstadt – schön liegt sie da so ruhig mit ihren vielen Blumenampeln, den grünen, baumbeschatteten Plätzen, den roten Klinkerbauten und den diese überragenden modernen Glashochhäusern. Ich laufe ein paar Blocks rauf und runter, über den Ocidental Square Richtung Waterfront runter zu den Piers. Am Wasser entlang genieße ich die Aussicht über Holz-Bootshäuser in rot und grün über die Elliot Bay auf das gegenüberliegende Ufer mit den schneebedeckten Bergen. Das leuchtenweiße Great Wheel und das huntinggreenfarbene Aquarium zu dem azurblauen Meer sind eine betörende Farbkombi… ich Glückskind, ich!

Weiter geht´s wieder bergauf (die Altstadt von Seattle liegt etwa 10 m über dem Meer – das alte Seattle wurde nach Überschwemmungen und Beben einfach aufgeschüttet und neu auf dieser Höhe aufgebaut!) – mein Ziel: der Pikes Fish Market – berühmt geworden durch das Motivationsbuch Fish! – Ja, klar – ein riesen Touriattraktion und inzwischen wird dort auch aller möglicher Tand feilgeboten, doch nach wie vor haben die Fischverkäufer ihren Spaß, werfen sich riesige Lachse zu und fangen sie akrobatisch unter Beifall der Menge. Ich genieße das Getümmel, gönne mir einen Cappuccino und ein Croissant und schaue einfach nur zu…

Mein Weg führt mich anschließend weiter bergan zum Westlake Central – eine geschäftige Gegend mit schönem Architekturmix aus alt und neu, quirligen Plätzen und einer umtriebigen Shoppingzeile neben der anderen… hier hole ich mir jetzt auch meine Simcard für die nächsten 3 Monate. Bei einer kurzen Rast entdecke ich die Haltestelle von „Seattle on a Duck“-Tours. Ich hatte darüber gelesen – ein Muss in Seattle! Mit Fahrzeugen, die sowohl auf der Straße, wie auch im Wasser fahren können, wird Seattle land- und seeseits erschlossen. Etwa 20 Leute passen rein und ein Tourguide macht eine super Show rundrum… es ist ein riesen Spaß und ich bekomme noch mal einen tollen Überblick über die Viertel, Sehenswürdigkeiten und viele Tipps mehr für meine Tage hier. Im Lake Union wassern wir dann und fahren an den unzähligen Hausbooten vorbei – u.a. an der Filmlocation aus „Sleepless in Seattle“. Die kleinen Bootshäuschen sind wundervoll! Jedes ein Unikat reihen sie sich am gesamten Ufer aneinander und ergeben ein idyllisches Bild fast wie eine Schrebergartensiedlung – eben nur am/im Wasser. Hier komm ich noch mal her. Freemont heißt der kleine Ort, der für sein Multikulti-Künstler-Volk, seine Brauerei, den Gasworks-Park und die vielen Bootshäuschen bekannt ist.

Nach der Tour laufe ich noch durch Belltown runter zur Waterfront, wo der Olympia Skulpturen Park beginnt. Meine Füße sind allerdings schon platt, so dass ich erstmal ne ausgiebige Pause auf der Pier 70 mache. Den großartigen Tag beschließe ich gemütlich im University Village, einem ganzen Block voll mit kleinen Geschäften, Kneipen und Plätzen, wo sich Studenten und normales Volk zum abendlichen Ratsch und Tratsch treffen, essen, trinken und lachen… mein Lieblingsplätzchen ist direkt am Springbrunnen neben dem riesigen Blumenladen, dessen Pflanzen die Luft mit einem betörenden Duft erfüllen… hier sitze ich bis es fast dunkel ist und genieße mein Abendessen und ein Gläschen Wein. Schöner kann der 2. Teil meiner Reise gar nicht beginnen! Danke Seattle!

 

Donnerstag, 28. Juli 2016

Heute bin ich blöderweise um 4 Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen… Na ja, was soll´s – also früh raus und gleich los in die Stadt! Heute ist Seattle Center dran mit dem höchsten Gebäude, der Spaceneedle! Die Monorail – eine hochgebockte Schwebebahn bringt mich von Downtown dorthin und landet ganz spektakulär in einem grandiosen Gebäude – dem EMP Museum, einer Mischung aus Guggenheim Bilbao und dem Grazer Kunstbau. Organische Formen in kupfer, lila und silber, durchbrochen von Glas und roten Flächen lässt mich fasziniert aus allen Perspektiven fotografieren. So was liebe ich ja sehr!

Zur Kasse der Spaceneedle komme ich als eine der ersten zur Öffnung an und habe die Aussichtsplattform fast für mich allein! Großartig der Blick durch die glasklare Luft über das Meer, die Seen, die Halbinseln und Insel und zum Mt. Rainier. Was für ein Anblick, welch ein unglaubliches Blau! Ich bin ganz verzaubert von dieser Stadt! Lange und ausgiebig genieße ich die Aussicht, bis es dann doch voll und voller wird und ziehe dankbar ab zu meinem nächsten Ziel – dem Lake Union Park mit dem Seehafen für Wasserflugzeuge, dem Segelbootshafen, Yachthafen und dem Museum of History and Industry. Schulklassen paddeln in Kajaks, Kinder segeln in Optimisten und Laserjollen, Wasserflugzeuge starten und landen … das ganz normale Sommerleben auf Lake Union macht Laune – schon beim Zuschauen!

Mit der Trambahn geht´s zurück nach Westlake Central, von wo aus ich nochmals über den Pike Market durch die hohle Gasse der Gumwall wandere… einige Meter Hauswand, verziert mit Kaugummi! Ein buntes Gemälde der ganz besonderen Art!

Weiter geht´s runter zu den Piers, denn ich werde die Fähre über die Elliotbay nach Bainbridge Island nehmen. Für 8 Dollar einmal hin und zurück mit den grandiosesten Ausblicken auf die Bay, die Skyline und den Mt. Rainier. Das ist Bilderbuchmäßig und die Kamera läuft wieder mal heiß! Die kleinen Häuschen auf der Insel erinnern mich total an Norwegen oder Schweden, auch die Vegetation, das Licht und die Küstenlinie… soooo schön! Hier könnt ich bleiben – für den Rest meines Lebens (vorausgesetzt das Wetter wäre immer so schön!).

Den erfüllten und atemberaubend schönen Tag lass ich ausklingen wieder an meinem Lieblingsplätzchen am Brunnen neben den duftenden Blumen bei einem Glas Wein und Potatoe Pie.

 

Freitag 29. Juli 2016

Heute übe ich fahren 😉 – na sagen wir so… ausprobieren der Navigation, ein wenig üben der Straßenverkehrsregeln… alles easy. Ich mach mich auf die Küste gen Norden. Erstes Ziel ist Fremont – ein verrücktes Künstlerviertel mit eigener Brauerei und vor allem vielen der schnuckeligen Bootshäuser. Es ist wieder schönstes Wetter und der Lake Union mit den bunten Häuschen lädt zum Bleiben ein. Vom Park aus gibt es den besten Blick auf das Lakeside Ufer von Downtown.

Weiter geht es am Kanal entlang zum Fischereihafen und raus in den Discovery Park – ein Naturschutzgebiet mit einem Leuchtturm. Tiefe, duftende Wälder liegen vor der Küste und als ich am Strand ankomme raubt es mir den Atem so schön! Der lange Sandstrand, der sich um das Lighthouse legt, ist übersät mit alten, abschliffenen und verwitterten Baumstämmen – das allein schon ist ein anmutiges Bild. Im Hintergrund strahlt wieder der Mt. Rainier und das gegenüberliegende Olympic-Ufer liegt heute dank der klaren Luft ganz nah. Beim Spaziergehen am Strand überfliegt mich ein riesiger Vogel und setzt sich auf den Antennenmast – mein erster Weißkopffischadler! Unglaublich majestätisch, wunderschön… ich setze mich auf einen der Bäumstämme und schaue ihm lange zu.

Zurück durch den Park wende ich mich der Küstenlinie zu. Am 34th Avenue Northwest Viewpoint erwartet mich eine alte Hebebrücke aus Stahl… hier kann man zur richtigen Jahreszeit auch die Lachswanderung erleben, denn für die Lachse wurde hier extra ein künstlicher Nebenkanal angelegt, durch den sie gefahrlos den Fluss hinauf wandern können.

Die Küstenstraße führt mich entlang riesiger Marinas und kleinen Sandstränden, durch fettgrüne Wälder und mondäne Wohnviertel immer weiter gen Norden. Der Blick über den Puget Sound auf die gegenüberliegenden Inseln und die Olympic Halbinsel ist wie ein Gemälde. North Beach, Spring Beach, Richmond, Woodway, Edmonds. Hier mache ich Pause, sitze am Strand, schaue den Fähren zu, die hier ständig hin und her fahren rüber nach Kingston. Ein leckeres Lachs-Panini wird mein Mittagessen, den Cappuccino hole ich mir in der benachbarten Coffee-Bar mit eigener Rösterei. Lecker.

Ich will noch bis Mukiltea, der engsten Stelle des Sounds, vorbei an Norma Beach. Hier strahlt mir ein weiterer weißer Kegelberg entgegen – es ist Mount Baker – an der kanadischen Grenze gelegen.

Zurück geht es Richtung Lake Washington, denn die Ostseite des Sees reizt mich noch. Hier gibt es ganze Wohnviertel um einen eleganten Golfplatz, auch sonst scheinen hier eher die Reichen und Schönen zu leben. Das Ufer ist mit herrlichen Villen bebaut, allesamt mit darunterliegendem Bootssteg, die Straße führt durch traumhafte Waldgebiete – zumeist Nadelbäume, die wunderbar duften. Dazwischen eröffnen sich immer wieder public sites, Badestrände, die bei diesem wunderbaren Wetter herrlich lebendig sind. Es wird gepicknickt, gebadet, gedöst, gespielt… In Kirkland, einem sehr schönen, malerischen Örtchen parke ich und genieße das quirlige Leben. In einer Weinbar genehmige ich mir einen schön kalten Sauvignon Blanc aus dem Nappa Valley – in freudiger Erwartung …

Über den Lake Washington führt eine Brücke, die nehme ich um wieder auf „meine Seite“, das Universitätsviertel zu kommen. Ich gehe kurz einkaufen – übrigens in einem Supermarkt der extra Klasse! (Sowas hab ich noch nicht gesehen – alles vom Feinsten, frisch, organic, local und in riesiger Auswahl). Ich kaufe mir ein paar Sachen für ein Picknick und eine Dose Bier, denn den Sundowner gibt´s heut am Strand. Der Golden Gardens Beach ist mein Ziel – und ein Volltreffer! Beste Sicht, goldener Sunset und ein perfekter Ausklang meines Seattle-Aufenthalts. Morgen geht es an die Pazifik-Küste und von dort immer südwärts 😉 – ich freue mich!

 

Samstag, 30. Juli 2016

Seattle verabschiedet sich mit dicken Wolken aber was soll´s. Ich bin dankbar für die vier strahlenden Tage hier und jetzt geht es los… erstmal noch unendlich viele 10-spurige Autobahnen – ja und mit Staus… aber ich habe ja Zeit. Die erste Wegstrecke bis Ocean Shores dauert etwa 4 Stunden und ich bin um 11.00 Uhr gestartet nachdem ich mir noch einen gemütlichen Morgen mit Starbucks Cappuccino gemacht habe. Ab Olympia geht´s runter von der Autobahn und ich fahre durch wunderbare dichte Wald- und Hügellandschaften gen Westen der Küste entgegen. Bald schon kommen die Wegweiser zur Route 101 – meine Straße für die nächsten 5000 km! Ab Aberdeen biege ich dann auf die South ab und die Straße wird noch kurviger und enger. Durch Sumpflandschaften nähere ich mich dem Pazifik – und da ist er! – Erstmal enttäuschend… er ist grau mit starkem Wellengang, es ist diesig vom Sprühwasser, der riesige Strand ist von Autos übersät, Pferde stehen für Touristen bereit … es ist richtig Tourirummel. Ich fahre mal weiter … immer näher zur Landspitze dieser Landzunge und siehe da, weite Strände, übersät mit riesigen Baumskeletten durchwachsen von grünem Schilfgras – eine Augenweide und Fotomotive ohne Ende! Der Wind ist frisch und ich suche mir ein windstilles Plätzchen in den Armen zweier verwitterter Baumstämme. Als die Sonne sich gen Horizont neigt wird ihr Untergang jäh von einer Wolkenmauer verschluckt… das ist für mich das Aufbruchssignal meine Unterkunft aufzusuchen und ein feines Abendmahl zu organisieren ;-).

 

Sonntag, 31. Juli 2016

Der Himmel ist verhangen und die Welt etwas grau… passend zu den bärtigen Kiefern und sumpfigen Landschaften durch die sich Flüsse mäandern durchfahre ich mystische Wälder und weite Landstriche in dumpfem, nebeligen Licht. Der Staat Washington ist hier geprägt von Waldwirtschaft und Fischfang, die Orte sind klein und weitläufig mit vielen kleinen, verwitterten Holzhäusern. Ein wenig erinnert mich das an Norwegens Binnenland rund um Roroe. Hinter jeder Biegung erwarten mich weitere Muddy Holes und sumpfige Flussdeltas – wunderschön in diesem fahlen Licht – wie aus einem Märchen.

Nach Raymond stoße ich wieder auf die Küste und mache einen Abstecher zum Cape Disappointment mit seinen schroffen Abhängen, dichten Wäldern und unberührten Wildstränden – Landschaften wie sie Theodor Fontane beschrieben und Caspar David Friedrich gemalt hätte. Leichter Sprühnebel liegt über dem Pazifik. Am Northhead Lighthouse erzählt mir der Host da draußen seien Wale… ganz aufgeregt starre ich hinaus auf den grauen Ozean, doch leider vergebens – ich kann sie nicht entdecken.

Weiter den Loop – zurück auf die 101 und weiter gen Süden.

Vor Astoria überquere ich den Columbia River auf einer ewig langen Stahlbrücke aus dem letzten Jahrtausend und mitten drin dann das Schild: Welcome in Oregon! In Seaside mache ich meinen Mittagsstop und genehmige mir Cafe und Kuchen in einer Bäckerei. Eine junge Frau spricht mich auf meinen Akzent an und wir kommen ins Reden. Ihre Mutter ist Deutsche, Ihr Vater stationierter US-Soldat in Bamberg. Letztes Jahr war sie sie sie besuchen… Deutsch kann sie nicht, leider sagt sie, denn sie würde es gerne ihren Kindern gelernt haben.

Mein nächstes Ziel: Cannon Beach – der Tipp von Kirsten aus dem Flugzeug. Ein wundervoller Ort! So habe ich mir Neu-England vorgestellt … die hübschen Wooden-Beach-Houses in Reih und Glied am oberen Rand des Strandes, umgeben ist der Ort von dicht bewaldeten Hügeln, der Strand ist breit und weißsandig soweit das Auge reicht! Ich marschiere los in Richtung Landmark, dem Haystack Rock – eine Felsformation im Wasser und weiter bis zum Jockey Cap – ebenfalls wie von einem Riesen hingeworfene Felsen im Meer. Nach etwa 3 Stunden und einem kleinen Stadtbummel in diesem umtriebigen Freizeit-Sommer-Örtchen der Portlander geht´s weiter im Auto … ein Strand jagt den anderen … Arcadia Beach mit dem Lion Rock, Arch Cape, Cedar Creek, Cape Falcon… dann geht´s bergauf und die Wolken sind wie abgeschnitten – ein Wetterscheide! Dahinter – tiefstes blaues Meer und strahlende Sonne vom azurblauen Himmel! Ich blicke staunend vom Neahkahnie Viewpoint hinab auf das in der Sonne liegende Örtchen Manzanita mit seinem unfassbar schönen Strand, der wie ein Juwel in der Sonne glitzert. Welch andere Welt von einem auf den anderen Moment! Und so geht es weiter! Landschaften, die mir die Tränen der Freude in die Augen spülen – sattes grün, goldgelbe Grasflächen, tiefgrüne Bäume und das blaue Wasser von Flussgebieten und Meeresbuchten. Alle paar hundert Meter muss ich auf die Bremse drücken und rausspringen – so unglaublich schön sind die Fotomotive!

Es ist etwa sieben als ich nach einigen hundert Fotos mehr in Pacific City anlande – ein Küstenstädtchen, dem eine fantastische Dünenlandschaft und der einzigartige Monolith, der Chief Kiwanda Rock vorgelagert ist. Hier will ich bleiben bis die Sonne am Horizont versinkt. Im lokalen Geschäft decke ich mich mit einem Picknick und Bier ein und kuschle mich am Strand an einen glattgebürsteten Baumstamm. Ganz und gar glücklich und erfüllt von diesem reichen Tag!

 

Montag, 1. August 2016

Von Lincoln City nach Coos Bay ist meine nächste Etappe. Ich geh´s gemütlich an… Mit einem Cappuccino im nächsten Küstenort in der Sonne… die reine Fahrtzeit ist nur 3 Stunden. Gemütlich geht´s los … Eine Bay und Küstenlandschaft ist schöner als die Nächste. Bei Agate Beach biege ich ab zum Yaquina Lighthouse – ein Naturschutzgebiet mit vorgelagerten Felsen auf denen Seelöwen und Kormorane leben… eine Rangerstation hat Fernrohre aufgebaut und ich kann die Tiere aus der Nähe beobachten!

Nächster Halt ist Newport – eine alte Fischereistadt – noch immer aktiv im Fischfang. Im alten Hafen, der allerdings zu einer Touristenattraktion geworden ist, hört man schon von weitem das Gebrüll der Seelöwen… sie haben es sich hier gemütlich gemacht, Fischreste fallen allemal ab hier im Hafen.

Die nächsten 200 km sind unglaublich! Unbesiedelt, faszinierende Ausblicke – abwechselnd ewig weite Dünen- und Sandstrände gefolgt von schroffen Abhängen und kunstvollen Felsformationen wie am Cape Perpetua … die ganze Zeit über komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus! Am Heceta Head Lighthouse zeigt mir ein Ranger eine Gruppe Grauwale, die regelmäßig aufsteigen und ihre Fontänen in die Luft blasen …. meine erste Walsichtung – und das mit bloßem Auge!

Rund um Florence beginnen die Oregon Dunes … eine ganz andere Welt! Riesige Wanderdünen erstrecken sich über mehrer km breite bis hin zum Wasser, überzogen von einem harten Gras – wie ich gelernt habe, dem sogenannten Dünenhafer. Sanft gewellt und in unendlicher Weite erstrecken sich die Dünenlandschaften bis zum Horizont, dahinter liegen dann wieder tiefblaue Lagunenseen… eine Landschaft einfach zum dahinschmelzen! Dann irgendwann biegt der Pacific Coast Scenic Highway ins Landesinnere ab… es geht hinauf in wundervolle Bergwälder mit weiten Blicken über Berge und Bergseen, dann wieder hinab zu den Ufern des Umpqua Rivers, an dem die in den Wäldern stattfindende Holzwirtschaft sichtbar wird. Riesige Holzlager und beladene Boote sprechen für sich.

Die letzten 50 km dann führen wiederum entlang von Dünenlandschaften rechts und Seen links der Straße bis nach Coos Bay, wo ich mein Nachtlager aufschlage….

 

Dienstag 2. August 2016

Ich mache heute eine Fahrpause… ich bleibe in Coos Bay. Ich war gestern so erfüllt, dass die Eindrücke sacken wollen. Ich gehe heute Haareschneiden und an den Beach! Aber zuerst will ich nochmal über die schöne eiserne Brücke fahren, die ich gestern vor Coos Bay gefahren bin… also los geht´s – bei bestem Wetter! Ich biege noch über eine zweite Brücke, die die beiden großen Meeresbusen überbrückt hinaus zu den Dünen an den Strand auf der anderen Seite… hier sind die Buggyfahrer unterwegs! Mit einem riesen Spaß werden hier die riesigen Dünen und der weitläufige Strand befahren. Ein Glück dass heute Montag ist! Ich will nicht wissen, wie es hier an einem Wochenende zugeht.

Zurück in Coos Bay hole ich mir einen Cafe und gehe rüber zum Bordwalk, der Uferpromenade und den Stegen.. Ich komme mit einem Mann ins Quatschen… er erzählt mir, dass er schon die ganze Welt bereits habe und doch wieder hierher zurückgekehrt ist… ich kann´s verstehen (nein nicht der Ort, sondern die Landschaft würde mich auch immer wieder herziehen!). Zum Schluss sagt er „keep on smiling. Looks good on you“. I am happy. Der Friseur ist vollkommen ausgebucht bis auf eine Lücke – jetzt! Glückskind!

Im Anschluss geht´s raus Richtung Charleston an die Sunset Beaches. Ich habe ja keine Ahnung, was mich hier erwartet! Meine Friseuse hatte mir empfohlen in den Shore Acres State Park zu fahren… mache ich und lande gleich am wunderschönen Lighthoude Beach für ein kleines Mittagspicknick und ein wenig „blöd schauen“ auf das azurblaue Wasser und die seitlichen Felsformationen. Sie sagte mir auch es gäbe einen Botanischen Garten dort… also mache ich mich nach einer ausgiebigen Pause wieder auf den Weg bis zum Ende des Parks… und staune nicht schlecht! Derart wundervolle Felsformationen, auf denen Seelöwen faulenzen, Grauwale die auftauchen, Kormoran-Inseln und ja – auch ein botanischer Garten … mehrere Kilometer wandere ich diese Steilküste ab und bin wieder einmal mehr geflasht von Oregons wildem Westen!

 

Mittwoch, 3. August 2016

Heute verlasse ich Oregon … mein nächster Stop liegt hinter der Grenze nach Kalifornien! Crescent City. Aber zunächst erwarten mich noch mal etwa 200 km Oregon´s Pazifikküste…

Hinter Coos Bay geht´s erstmal kurvig durch waldige Hügel bis ich in Bandon dann wieder ans Wasser komme… ein herrlicher Ort! Erstmal nen Cafe geholt – wie schon gewohnt im Espresso-Drive In… herrliche Einrichtung! Ich wünschte das gäbe es in Deutschland auch! Ich kurve so durch Bandon, erstmal Richtung Lighthouse und dann den Berg hoch … und wow! Das ist genialst! Schroffe Felsen ragen aus dem geschwungenen Strand und aus dem Meer, umbraust von Pazifikwellen, eingetaucht in schönste Blautöne – ich kann es gar nicht fassen, wie schön und immer wieder unterschiedlich diese Küste daherkommt … hier fallen die Hänge in grün und gelb sanft ab hin zum Meer, bevor der Sandstrand beginnt … eingesprenkelt mit schwarzen Felsformationen.

Nicht weit entfernt gibt es einen Abzweig zum Floras Lake, den ich nehme und nicht schlecht staune! Die Lagune ist umgeben von schönstem Grün, das dann in eine Dünenlandschaft mit gelbem Strandhafer mündet… dahinter der unendliche Sandstrand… ich laufe hin und beobachte dabei die Kiter, die auf dem See flitzen.

Die nächste Naturschönheit ist das Cape Blanco – ein hell gefärbter Felsbrocken liegt vor der Küste, davon Weideland und ein Meeresarm, der sich ins Land hinein geschoben hat. Am Lighthouse pfeift der Wind enorm – es liegt auch wirklich erhaben weit draußen vor der Küstenlinie… wunderbare Ausblicke ergeben sich in beide Richtungen – wieder Strände mit dunklen Felsformationen.

In Port Orford, dem nächsten Ort, mache ich meine Mittagspause. Ein oberhalb des einzigartigen Strandes gelegenes Restaurant bietet von allem das Beste. So lecker – ich sitze auf der Terrasse in der Sonne und lasse es mir munden. Eine Dame kommt auf mich zu und bittet mich ein Foto von ihr zu machen. Wir kommen ins Gespräch, sie lädt mich ein mit ihr eine Wanderung zu unternehmen… doch ich lehne ab. Es liegt noch etwas Strecke vor mir. Sie verabschiedet sich herzlich und wir ziehen beide unseres Weges. Ab hier führt die Straße fast ausschließlich direkt neben dem Meer entlang mit immer wieder spektakulären Ausblicken und vielen Lookouts. Kein Wunder, dass ich für die letzten 80 km mehrere Stunden brauche! Besonders schon ist Meyers Beach mit der inliegenden langgestreckten Lagune und dem verwehten Sand. Arch Rock, Natural Bridge, Whales Head, Twi Rocks, Rainbow Island … so die Namen der monolithischen Felsformationen, die vor der Küste liegen und jeder für sich außergewöhnlich ist. Mein letzter Stop für heute ist Lone Beach – hier würde ich gerne bis Sonnenuntergang bleiben, aber ich habe kein Bier dabei! Shit – ab morgen wird wieder vorgesorgt ;-))

Kurz danach passiere ich die „Grenze“ zwischen Oregon und Kalifornien. Es gibt einen richtigen Grenzposten mit Wächtern – was die allerdings kontrollieren bleibt mir ein Rätsel. Mich haben sie durchgewinkt, vermutlich, weil ich ein kalifornisches Kennzeichen habe. LOL

 

Donnerstag, 4. August 2016

Los geht´s in Crescent City: Hinter der Stadt beginnt der Redwood National Park… es ist grau-nebelig als ich losfahre… langsam lichten sich dann die Schleier und es gibt magische, mystische Lichteinfälle zwischen den Bäumen. Wunderschön!

Und ja – er ist beeindruckend! Die Größe, der Umfang…. ich laufe lange durch den Wald, fotografiere, schaue ins Detail. Bis zu 2600 Jahre alt werden die Riesen! Sehr beeindruckend.

Danach geht es ewig lang auf dem Freeway durch Wald- und Hügellandschaften… schön, aber nichts weltbewegendes. Ich denk mir – gibt’s bei uns auch (ich bin schon echt verwöhnt!). Dann die Abbiege auf die Route No 1 – die alte Küstenstraße … da wird ich gleich wieder munter, denn es ist eine kurvenreiche Passstraße durch duftende Wälder… Ich fahre durch den „Durchfahrbaren Baum“ – eine Touriattraktion par excellance – aber was solls 😉 – und dann geht´s ewig so weiter mit dichten Kurven, hinauf und hinab durch schöne Wälder – die ideale Bikerstraße… sind aber gar nicht so viele unterwegs. Und irgendwann dann – plötzlich – wieder der Ozean vor mir – mit zerklüfteten Felsen vor der Küste und Stränden… anders diesmal – sanfter, weicher, die Wälder gehen bis an die Küstenlinie und weite, gelbe Grasflächen verwöhnen das Auge. Fort Bragg ist nicht mehr weit. Mein heutiger Nachtplatz… Eingecheckt und los geht´s zum Essen in den Tab Room… voller Einheimischer heute, eine Hens-Night wird gefeiert, die umsitzenden Jungs haben ihren Spaß…

Als ich rausgehe spricht mich ein Typ an… „you habe eaten for your own? That´s wonderful…“ – ja why not denk ich mir… ist aber hier eher die Ausnahme allein sitzende Frauen in der Bar ;-))

Freitag, 5. August 2016

Ich starte relativ früh und weiß doch, die Strecke ist nicht lang… 3,5 Stunden sagt das Navi bis San Francisco. Na ich sollte mich ordentlich täuschen!

Die Landschaft wird ganz weich und sanft… wie eine Hochebene, die langsam zum Meer hin abfällt und dann steil abbricht ins Meer. Bewachsen mit duftenden Pinien, die vom Wind ganz schief sind oder dem gelben langen Gras, das im Wind wogt. Vor der Küste Gesteinsbrocken und –formationen. Ich denke noch – welch eine Labsal für die Seele, diese sanfte Landschaft und kurve ganz dicht an den Küste entlang immer wieder verwöhnt von schönen Ausblicken. Mendocino (bekannt aus dem Lied) ist mein erster Stop und gleich so bezaubernd schön, dass ich am liebsten für immer hier bleiben würde. Ich laufe durch den Ort, tanke bei einer supersüßen alten Tankwartin wie aus einem Film entsprungen und hole mir einen Cafe in dem „Organic Cafe“ an der Hauptstraße… Und weiter geht´s ich denke noch ganz gemütlich.

 

Die Straße schlängelt und windet sich die Küste entlang – so macht Fahren Spaß! Und immer wieder verlocken Lookouts – oder wie sie hier heißen Vistapoints – zum Anhalten. Kühe und Schafe weiden genüsslich auf den gelben Wiesen, plötzlich kommen rote Felder – keine Ahnung was das ist… dann gibt es Strecken durch dichte Eukalypthus-Wälder – und wie das duftet! – oder entlang riesiger, windgebeugter Koniferen. Ich bin ganz hin und weg von der Landschaft und halte ewig oft an!

In Point Arena biege ich ab zum Lighthouse und werde wieder einmal überrascht! Welch herrliche Küstenlinie mit den flachen Plateaus und den zerzausten Felsformationen. Der Blick hinüber zu den Felsen im Meer offenbart faulenzende Seelöwen – die Kalifornischen sind grau und am Bauch weiß gesprenkelt. Sie räkeln sich genüsslich…. ab und an robbt sich mal eine ins Wasser… oder sie spielen im Wasser miteinander.

In Guiala – ebenfalls ein netter kleiner Ort hole ich mir mein Mittagessen in einem Bagle-Laden – allein der ist schon eine Sehenwürdigkeit! Die Orte hier sehen alle aus wie in der Zeit stehen geblieben im Wilden Westen… alles wie eine Filmkulisse – einfach herrlich!

Die gesamte Küste entlang ist ein einziges Naturschutzgebiet – viele wunderschöne große Greifvögel, graue Pelikane, riesige Tölpel und Möwen und die Kormorane siedeln auf dem im Wasser liegenden Felsen. Die Seelöwen haben hier ihre Kinderstuben und liegen auf unzugänglichen Stränden genüsslich sich pelzend.

Das geht unendlich so weiter und ich bin ganz hin und weg… die Zeit verrinnt! Und ich merke wie mich diese Küste total eingenommen hat! An der Bodega Bay geht es für mich links weg an einem Meeresarm entlang . Hier gibt es Austernzuchten und kleine, einladende Orte scheinen mir das Sonntagsausflugsziel der Menschen aus San Francisco zu sein… Unendlich schön wird jetzt das Licht! Der Nebel weicht der Abendsonne und taucht alles in goldiges Licht. Wieder sind es wunderschöne Eukalypthuswälder und schiefe Koniferenalleen und der Blick auf das sumpfige, gelb bewachsene Ufer der Lagune… Die Nebelwolken quillen wie eine Kaskade über die gegenüberliegenden Berghänge und Wälder, alte Bäume haben dicke Bärte aus Flechten, die Örtchen sind wie aus einer Postkarte entsprungen! Wie wunderschön!

In Bolina läuft die Lagune aus und der Pazifik ist ganz nah… nur eine Häuserreihe und ein weiter Strand trennen die beiden voneinander – und Glückspilz wie ich bin komme ich genau rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Einfach phänomenal – a californian dream … willkommen im Paradies!

Die letzten Kilometer geht es fast schon in der Dunkelheit über einen kurvenreichen Pass hinab in die Bay. Kur vor der Brücke dann auch auf den Highway… Herzklopfmomente als ich die Golden Gate Bridge vor mir sehe! Und dann geht´s drüber …. hinein nach SFO – bzw ich biege vorher ab zur Aussichtsplattform. Und weil ich beim Wiederdrauffahren prompt die falsche Abbiege nehme lande ich gleich noch mal auf der anderen Seite auf der gegenüberliegenden Aussichtsplattform.

Jetzt geht´s aber direkt hinein in die Stadt und gleich die steilen Straßen hinauf und hinab… bis ins Herz fast am Union Square. Google findet das Motel 8 auch gleich und der bestellte (hihi) Parkplatz vor der Türe – perfekt! Eingecheckt, Auto ins Valid Parking abgeschoben und raus geht´s auf die Straßen von San Francisco! Ich finde gleich ums Eck einen Mexikaner mit bestem Cerviche und einer reichen Auswahl an Magheritas! Los kann´s gehen – SFO ich komme ;-). Vor dem Hotel ist noch ein Liquor Shop bei dem ich mir noch Wein, Wasser und was Süßes hole und ab geht´s ins Zimmer… Gute Nacht Freunde – so ein wahnsinnig schöner Tag! Unfassbar!!!

 

Samstag, 6. August 2016

Ich schlafe aus… es war spät gestern und auch ein wenig zu viel Alk … Zum Frühstück gehe ich einfach in ein Deli … lustig hier sitzen alle an einer ovalem Theke, in deren Mitte das Servicepersonal serviert – ein wenig wie bei running Sushi. Tlle relaxte Atmosphäre, riesen Portionen – das kann ich gar nicht alles essen!

Ich laufe gemütlich zum Union Square.. da ich keinen Plan habe, lasse ich mich einfach treiben – kreuz mal quer durch die Innenstadt, Shoppingboulevards und schönen Zuckerbäckerhäusern vor Wolkenkratzern vorbei… bis hinunter zur Bay, wo jetzt die Sonne voll vom hellblauen Himmel scheint! Wie schön alles glänzt, das wiß des Piers, der Schiffe, der Hafenbrücke…. überall sind Verkaufsstände, spielen Musiker, bummeln Menschen… wie schön!

Wieder geht´s mit der Cable Car Richtung Fishermans Wharft. Und mit dem Boot hinüber zur Golden Gate Bridge und Alcatraz… welch ein schöner erster Tag, der mit einem gepflegten Burger in einem richtigen Diner mit roten Platiksitzmöbeln an der Bar endet… genialst!

 

Sonntag, 7. August 2016

Es ist strahlend blauer Himmel! Und ich habe keine Pläne. Sehr gut! Ich nehme was zu lesen mit und wandere durch Chinatown runter zum Pier. Einen Cafe geholt und mit Blick auf die Hafenbrücke genießen! Was braucht es mehr 😉

Später fahre ich noch mal mit Bus und Trambahn zu Fishermans Wharft und freue mich, als ich genau zur rechten Zeit einen Fischkutter besteigen kann und noch mal raus zur Bridge. Bei dem Wetter! Großartig und lustig, denn er schwankt ganz schön auf den Wellen und das Spritzwasser macht alle ordentlich nass. Delfine, Kormorane und die großen Pelikane begleiten das Boot. Wie schön … und zum Schluss fahren wir ganz dicht an den Hafen-Seelöwen vorbei, die sich auch in der Sonne räkeln. Zurück geht´s mit der Streetcar – einer uralten Trambahn – mit einem genialen Fahrer! Er hat Spaß an der Arbeit, unterhält die Leute, ist hilfsbereit und lustig! Wir haben alle unseren Spaß. Ich sage herzlich danke und er winkt mir bei der Abfahrt noch extra zu… wie schön!

Übrigens – Wertschätzung wird hier hoch geschrieben! „We appeiciate that“ – ist nicht ein einfaches Danke… es ist eine bewusste Wertschätzung! Vielleicht macht es Sinn, sich mal zu überlegen ob und wie wir auch im Alltag einen Unterschied machen können zwischen Dank und Wertschätzung… ist eine Überlegung wert, meine ich.

Der Abend in meinem Lieblingslokal „Kolibri“ – wundervoll … der Barkeeper erkannte mich wieder und begrüßte mich wie einen alten Freund… und neben mir sitzt Andreea aus Rumänien. Wir hatten einen wundervollen Abend! Und dann noch die Begegnung mit dem Obdachlosen… I feel sad about all these homless people in a country, which is one of the richest in the world… what can we do?

 

Montag, 8. August 2016

Es geht weiter… nach Fresno in die Nähe der Nationalparks. Die Rausfahrt aus San Francisco war erstmal einfach. Bis ich auf die Highways komme… so viele Spuren! Und natürlich immer die falsche erwischt… da muss ich mich erst dran gewöhnen an das über und untereinander der bis zu 6-spurigen Autobahnen (in eine Richtung!). Die Fahrt ist lang und eigentlich geradeaus. Irgendwann ändert sich die Landschaft drastisch. Ich bin umgeben von gelben Grashügeln, die durchzogen sind von Highway und Kanälen. Hat was beruhigendes… In Fresno angekommen finde ich es erstmal ganz abscheulich. Die Stadt ist tot. Es laufen dunkle Gestalten rum… die Recherche ergibt – ich bin hier in einer der gefährlichsten Städte Kaliforniens gelandet. Na danke! Straßenstrich, Banditen und Gangmörder um mich rum. Das erste Mal, dass ich mich echt unwohl fühle und am liebsten gleich weiterfahren würde… tu ich dann auch, aber es ist alles ausebucht in der Nähe vom Yosemite. Es sind Ferien! Ok – ich werd´s überleben.

 

Dienstag, 9. August 2016

Ich lebe noch … die Nacht ist vorbei, die Sonne scheint und Sequoia National Park und Kings Canyon warten! Und es ist einfach nur fantastisch! In Worten nicht auszudrücken, welche Schönheit, Wildheit und besonderen Reiz dieser Nationalpark hat. Es fehlen nur noch die Indianer… Hier lass ich einfach mal nur die Bilder sprechen – und sie sprechen Bände!

 

Mittwoch, 10. August 2016

Ich reise ab – das nächste Ziel liegt hinter den Bergen … und ich darf heute den höchsten Pass der United States überfahren! Den Tioga Pass. Aber vorher vergnüge ich mich noch im monumentalen Yosemite-Tal mit seinen herrlichen Ausblicken über Wasser auf den Dome und den Half-Dome und viele andere beeindruckende Felsformationen. Ganz anders als Sequoia ist hier alles weißer und grauer Granit, fast flach, bei genauerem Hinsehen, erodiert und in Scheiben und Platten gelegt. Die Wiesen grün, das Wasser glasklar. Nur ein wenig viel los ist hier… wie schon gesagt: Urlaubszeit.

Übrigens – ich fahre hier von brütender Hitze im Tal auf eine kühle Höhe, in der ich gerne einen Pulli überziehe und das gleiche dann auch wieder rückwärts auf der anderen Seite der Berge. Ganz oben kann man noch Fetzen von Schnee sehen.

Die Landschaft ist atemberaubend! Weiße Schichten-Abhänge, weiße Kalkspitzen, graue Schotterfelsabhänge und im Hintergrund rötlich schimmernde Berge! Mein Herz springt im Dreieck so schön ist es hier! Am Olmstedt Point erreicht die Schönheit ihren Höhepunkt! Unglaublich. Ab jetzt geht´s wieder bergab… der Tenaya See lacht mir türkisblau entgegen und ruft zur ausgiebigen Pause. Die Tuolumne Meadows sind eine Augenweide in grün bis an den mit Bergen in verschiedenen Farben leuchtenden Horizont bis am Tioga Lake dann offiziell der Nationalpark zu Ende ist. Ich bin zutiefst beeindruckt von dieser Naturschönheit! Unfassbar… da brauche ich drei Tage zum verdauen! Doch es geht einfach nur so weiter… auf der anderen Seite des Passes erwartet mit echtes Indianerland und unglaubliche Seenlandschaften. Der Monolake ist eine wahre Pracht – mit seinen vulkanischen Kegel-Inseln und Sandbänken und vor allem den Pinnacles am Südufer! Noch einmal läuft die Kamera heiss – und meine Augen quellen über vor Freude an den Schönheiten … Doch für heute ist jetzt erstmal Schluß: ein schönes Essen und ein frühes zu Bett gehen ist angesagt… die Bilder wollen sacken können … tief in meine Seele 😉

 

Donnerstag, 11. August 2016

Übernacht bleibe ich in Mammouth Lake, ein Wander- und Skiort… kannste vergessen. Bishop dagegen ist ein nettes Örtchen (hier gibt´s das Frühstück), aber hier zu bleiben macht keinen Sinn. Also weiter. In Lonely Pine – am Fuße des Mount Whitney, dem höchsten Berg der USA (außerhalb Alaskas) – nehme ich mir ein Zimmer im gleichnamigen Motel, lagere meine Sachen im Kühlschrank und starte weiter über die Sierra Nevada (die übrigens größtenteils in Kalifornien liegt) – eine Filmlandschaft, wie ich schönere noch nicht gesehen habe! Links und rechts die Bergketten in 3 Farben – rot, schwarz, gelb – dazwischen entweder eine Art Geröllwüste oder immer wieder Oasen von Grün mit Weiden auf denen mächtige Rinder weiden.

Vorbei geht es an Salzseen und Salzgewinnungsflächen hinein in die Wüstenladschaft. Die farbigen Berghänge werden nur hie und da wie gespickt von einer zähen Palmenart, die hier vereinzelt wächst. Eine bizarre Landschaft, in der man sich gut vorstellen kann, dann der Tod einen schnell ereilt… (hier die Melodie von Spiel mir den Tod ins Ohr summen lassen ;-)).

Und hinunter geht´s ins tiefe Tal – von etwas über 3.000 Höhenmeter gestern geht es heute hinunter 86 Meter unter Meeresspiegel. Gestern war ich froh um einen Pullover, heute komm ich mir vor wie im Backofen! Das Tal des Todes gehört zur Mojave-Wüste, ist der Hitzepol der USA. Windhosen wirbeln Sand in die Höhe, die typischen Strauch-Geflechtkugeln rollen schnell über den Boden… der Wind ist heiß wie aus dem Fön! Und es ist großartig! Welch eine grandiose Landschaft!

Abends gibt´s Tacos am Taco-Van und ein Bier dazu… und um 22.00 Uhr werde ich von meinem Motelbesitzer, einem Inder, der seit 30 Jahren! hier ist – zum Bier in den berühmten Saloon des Ortes eingeladen. Er erzählt mir auch, dass hier viele Filme gedreht wurden und Filmcrews hier regelmäßig einkehren. Ein schöner Abend unter „neuen Freunden“.

 

Freitag, 12. August 2016

Los geht´s früh… wieder durch das Tal des Todes und weiter! Anfangs bin ich praktisch allein auf der Straße … na ja, viel los ist eigentlich sowieso nichts! Hinter dem Punkt, an dem ich gestern umkehrte geht´s erstmal wieder bergauf und dann ins nächste Tal, des Todes… mit wunderschönen Dünenlandschaften, die Mesquites Sand Dunes. Es ist backofenheiss – und das schon um 11.00 Uhr vormittags! Nach dem Furnace Creek stoppe ich am Zabriskie Point und komme aus dem Staunen nicht mehr raus! Welch Landschaft – in Falten gelegte Berge in gelb und rot… großartig!

Die Hitze und das Fahren schaffen mich heute… so spare ich mir weitere Abstecher. Es geht also weiter über die Sierra Nevada direkt nach Las Vegas. Nicht ohne Halt zu machen in Shoreshon, einem kleinen Kaff wie aus dem 18. Jahrhundert… so muss der Wilde Westen ausgesehen haben. Um 15.00 Uhr treffe ich in Las Vegas ein – welch andere Welt! Grell, laut, bunt – und auch wieder faszinierend! Auf Dauer sicher nicht meins… aber wunderbar es einmal zu sehen – ich würde es nicht geglaubt haben, was hier los ist! Den Stripe rauf und runter – ein einziges Partyvolk und Gambler-Pfuhl. Lustig anzuschauen. Genau gegenüber dem Belagio nehme ich mir einen schönen Dinnerplatz zum Sonnenuntergang und genieße dreifach: das Essen, den Sonnenuntergang und das Wasserfontainenspiel vor dem Belagio. Hammer.

Für morgen hab ich auch schon gesorgt… es geht auf den High Roller, der Welt größtes Riesenrad mit 167 m, und in eine Show (danke Filippo für die Empfehlung).

 

Samstag, 13. August 2016

Ruhetag … selbst die Füße werden heute geschont ;-)) Zunächst geht´s mal mit der Monorail – einem Skytrain – bis nach Westpoint und ans andere Ende New York, von dort weiter mit der Tram bis ans andere Ende… Sehr nett und man sieht alles mal von oben. Für mich nicht hoch genug, denn ich werde mich auf 167 m hoch hieven lassen im High Roller. WOW – großartig! Tolle Aussicht! Rundrum in die Natur… gleich krieg ich wieder Lust, doch noch raus zu fahren… oh nein, heute ist Pause! Also mach ich´s mir nach dem Höhenausflug unten im Link bequem und genieße Cappuccino und Maccarones … lecker. Den Rest des Nachmittags wird einfach abgehangen mit Blick auf den Red Rock Canyon von meinem Fenster im 14. Stock des Harrahs. Bis zur Show.. oh wow! Was für eine fantasievolle Inszenierung: Le Reve im Wynn – ein fantastisches Spektakel ohne gleichen! Danke Filippo für den Tipp!

Übrigens – eine Kamera habe ich mir abends um 10.00 Uhr dann auch noch gekauft. Nachdem ich vergebens am Tag zuvor nach einem Laden gesucht habe, bin ich praktisch drüber gefallen als ich zur Show ging… tja, das Gute liegt manchmal so nah ;-). Warum? Tja, meine Lieblingskamera produziert mir leider laute unschöne Flecken und Schlieren ins Bild. Und ja, die Linse habe ich ordentlich geputzt… also weiß der Herrgott warum! Sie hat jetzt erstmal Pause.

Sonntag, 14. August

Los geht´s – raus aus der Stadt! Und rein in die Natur… Zion Canyon fasziniert mich von der ersten Minute! Wieder ganz anders… weißer und roter Fels, unterschiedliche Sedimentschichten, Wellen, wie geflossener Stein in rot oder Platten und eckige Abbrüche. Ich steige schon früh aus dem eigenen Auto u auf den Shuttle-Service des Parks. Die kostenlosen Busse fahren im Viertelstundentakt und ich kann ein und aussteigen sooft ich will und mag. Also – los geht´s in die Natur. Erstmal bis zum Ende des Canyons, da mach ich eine ausgiebige Pause mit den Füßen im frischen Bergflusswasser. Die Luft ist hier angenehm durch einen leichten Wind. Gemessene 35 Grad. Ist doch was anderes als die 50 Grad im Death Valley! Ich mache mir also einen ralaxten Tag. Die Fahrt nach Kanab, wo ich heute nächtige ist noch mal ein Highlight über den Scenic-Drive mit Tunneln und phänomenalen Aussichten!

Der Abend gestaltet sich mehr als angenehm… erstmal im Pool erfrischen und dann ins beste Restaurant des Dorfes zum Essen gleich nebenan. Natürlich war alles ausgebucht, doch ich bin einfach ein zweites Mal aufgelaufen und der Chef hat´s möglich gemacht (oder sich meiner erbarmt, wer weiß ;-)). Das beste Steak meines Lebens! Danke Kanab für diesen Tagesausklang!

 

Montag, 15. August 2016

Heute geht´s von Kanab in den nächsten Canyon. Den Bryce Canyon. Eigentlich ist er kein Canyon im klassischen Sinne, denn er ist nicht durch einen Fluß entstanden sondern durch Erosion. Die Fahrt ist nicht lang und ich nehme wieder den Shuttleservice der Ranger. Wunderbar. Erste Station: Inspiration Point. Und Bummmmmm. Mich haut´s glatt von den Socken als ich den ersten Blick rein nehme! Sowas ist garantiert einzigartig! Ein ganzes Tal – die Ranger nennen es Amphitheater – voller Gesteinssäulen unterschiedlichster Größen und Formen in gelb, rot, grau. Unfassbar schön! Da kommen selbst die Fotos an die Realität nicht hin! Nach ausgiebigem Genuß an der gesamten Kraterkante unternehme ich vom Sunsetpoint aus die Wanderung runter in den Canyon. Es geht steil bergab (und nachher auch wieder hinauf ;-)) – und jeder Meter ist eine Erlebnis – Fenster im Stein, durch die man in die nächste Schlucht schaut, schmale Durchgänge von Licht geflutet, Pinien, die dazwischen sich dem Licht entgegen strecken. Einfach nur Wow!

 

Dienstag, 16. August 2016

Früh raus, denn es ist mein Canyonritt angesagt! Ich freue mich – seit Brasilien das erste Mal wieder auf dem Rücken der Pferde… (wo es doch früher mein ein und alles war!). Slim heisst mein Wallach, ein Dunkelbrauner mit einer feinen Blesse… Und los geht´s in einer Gruppe von 10 Leuten mit unserem Führer vorneweg – einem echten Cowboy 😉 Steil bergab im Zickzack reiten wir bis zum Canyongrund an den schönen Hoodoos (so heissen die Sandsteingebilde) vorbei durch duftende Pinienwälder. Die Luft ist noch morgenfrisch hier auf 2.700m Höhe. Eine wunderbare Art den Canyon noch einmal zu erleben, ich finde – die einzig wahre… zu Pferd wie im Wilden Westen. Bräuchte es nur noch das standesgemäße Outfit. Das nächste Mal vielleicht.

Nach dem etwa 2-stündigen Ritt gibt´s nen Cappuccino und ein kleines Frühstück am Cafe neben der Canyon Lodge. Und das in sehr angenehmer Gesellschaft. Ein junges Pärchen aus der Schweiz machen die gleiche Nationalpark-Runde wie ich – nur andersherum. So konnten wir uns gut inspirieren und mit Tipps ausstatten für die jeweils noch vor uns liegenden Destinationen. Danach fahren wir gemeinsam noch die gesamte Strecke bis zum Endpunkt der National Park Straße und genießen die Aussichten auf´s weite Land, die Natural Bridge, den Rainbow Point und viele weitere Blicke in den Canyon… In der Ferne über dem Tal und der Hochebene gegenüber (die übrigens 4.000m hoch ist!) gehen Regengüsse runter und es grollt von Ferne. Eine tolle Himmel- und Lichtstimmung!

 

Mittwoch, 17. August 2016

Heute geht´s etwa 2,5 Stunden vom Bryce Canyon zum Antelope Canyon. Ich habe mir schon im Internet eine Tour für 13.00 Uhr gebucht, also ganz relaxt. Die Fahrt ist traumhaft schön, an einem Wanderweg, der mir außergewöhnliche Steinformationen versprocht mache ich halt und laufe in die bergige Wüste hinein… und ja, das ist besonders. Weiß, grau, rot, Formationen wie auf dem Mars, ausgewaschene Monolithen mit darauf thronenden Köpfen… eine schöne kleine Abstecherwanderung.

Dann geht´s hinab ins Tal und der türkisfarbene Lake Powell zeigt sich. Das sogenannte Big Water ist allerdings schon seit Jahren sehr geschrumpft trotz dickem Damm über den ich dann auch die Stadt Page erreiche. Im Tourbüro angekommen darf ich wieder mal dankbar für meine Intuition sein, denn alles ist auf 3 Tage ausverkauft. Ich habe mir eine Private Tour gebucht, weil ich es hasse im Laster eingepfercht zwischen Chinesen zu sein ;-). Also geht´s los mit George in einem 4W-Drive-Jeep durch die Sandwüste bis vor den unscheinbaren Eingang des Canyons. Was sich dahinter auftut ist in Worten nicht zu beschreiben! Eine Farben- und Formenwelt voller Magie und Einzigartigkeit! Wie wundervoll, dies hier zu sehen!!!!

Es rieselt ordentlich Sand von oben runter, denn der Canyon ist ja praktisch unterhalb des Plateaus eingegraben, George nennt ihn I-Canyon, also von oben nach unten schmale Gänge die teilweise wie Wirbelwinde geformt sind, was durch den Wasserwirbel entstanden ist. Ich bin wieder einmal den Tränen nahe bei soviel Schönheit und habe dank meiner Buchung ganze zwei Stunden Zeit für diese Einzigartigkeit!

Als ich gleich im Anschluß die Fotos sichte laufen mir die Tränen vor Freude in Strömen… sooooo glücklich!

George hat mir noch einen Abendessen-Tipp gegeben: in der Marina am Lake isst man sehr gut! Also fahre ich nach ausgiebigem Rausduschen des Sandes aus allen Poren (ich sollte ihn noch 3 tage später immer wieder rieseln sehen ;-)) hinunter und habe ein famoses Abendessen direkt am See. Großartiger Tag!

 

Donnerstag, 18. August 2016

Heute besuche ich den Big Old Man: Colorado River und zwar gleich an der wohl meistfotografierten Stelle – dem Horseshoe-Bend. WOW! Mund offen – es ist genauso schön wie auf all den Bildern die man sieht… und es geht verdammt weit runter! Ich sitze an der Kante um alles draufzubekommen auf das Bild… da wird mir schon ein wenig schwummrig!

Weiter am Fluß durch schon mal erste Teile des Grand Canyon eröffnen sich immer neue Blicke auf den Fluß. An der Navajo Bridge, an der River Road… und auf der anderen Seite ragen farbige Feldöme in die Luft, die Vermillion Cliffs. Dann fahre ich noch ein gutes Stück durch das Tal den Vermillion-Highway mit unfassbaren Wolkenstimmungen vor mit, Gewitterwolken, Blitze und Regenschauer bilden heute eine dramatische Kulisse. Eigentlich wollte ich bis zum North Rim, drehe aber im Wald auf der Hochebene in Jakob Lake um, denn die Gewitter rücken immer näher und ich habe keine Lust hineinzugeraten.

Zurück in Page kaufe ich mir noch ne neue Kamera, denn die alte hat den Sandbefall gestern im Antelope Canyon nicht überlebt… aber sie hat mehr als ihren Dienst getan mit den sehr gelungenen Fotos aus dem Canyon.

 

Freitag, 19. August 2016

Monument Valley steht auf dem Programm für heute. Es liegt in der Navajo-Nation, wie auch schon Antelope-Canyon. Hab mich mal schlau gemacht… Navajo-Nation ist ein selbstregierter Staat der Navajo-Indianer auf der Hochebene des Colorados, etwa so groß wie Bayern… all die schönen Canyons liegen auf ihrem Gebiet. Auch Monument Valley. Als ich dort eintreffe nehme ich mir einen Moment dieses Monumentalen Monolithen, die wie weggeworfenes Spielzeug eines Riesen in dem riesigen Tal liegen auf mich wirken zu lassen… das hier ist die Filmkulisse der John Wayne-Filme und Marlboro-Werbung!

Mit einem Navajo-Indianer, Jeff fahre ich zusammen mit einem Ehepaar mit dem Jeep ins Tal. Man könnte das auch mit dem eigenen Auto machen, aber a) nur die vorderen Teile des Tals und b) sind die Schotter- und Sandpisten eher nur für 4W-Drive geeignet. Also los geht´s – 2,5 Stunden an alle erdenklich schönen Felsformationen und Jeff erklärt uns, welche Namen sie haben: Elephant Butt, North Window, Camel Butt, Three Sisters, Sleeping Dragon. Ganz hinten im Tal kommen wir an zwei Fels-Halbdomen vorbei, die jeweils ein Loch oben drin haben. Sie heißen Ear of the Wind. Jeff läuft vor in den Eagle Butt und singt und tanzt – ich frage ihn, ob die Stätten denn heilig seien und er sagt, manche… z.B. für den Regentanz der Medizinmänner. Im Hogan Village verweilen wir kurz und können die ursprünglichen Hütten ansehen: Holzgestelle mit dem roten Sandlehm ummantelt. Die Hütten der Frauen sind halbrund, die der Männer nach oben spitz zulaufend. Jeff erklärt mir, damit der Speer darin Platz hat. Zurück geht’s vorbei an der Thunderbird Mesa und den Totem Poles zum Ausgangspunkt.

Und für mich geht´s weiter nach Chinle mitten im Navajo Land – und das sieht man auch. Den Preis für „Unser schönes Dorf“ gewinnen sie nicht… die Ansiedlungen sind zerrissen und ärmlich, die Holzbuden oder fahbaren Holzhäuser runtergekommen, Gerümpel liegt überall herum. Die Navajos sind nach wie vor sehr arm, aber sie sind unglaublich freundlich, was ich in Chinle erleben durfte!

Zum Sundowner sehe ich mir noch den Canyon de Chelly an, der seit ein paar Jahren auch Nationales Denkmal ist und bin wieder einmal erstaunt über die Verschiedenartigkeit der Canyons… Übrigens – es herrscht in Navajo-Nation strengstes Alkoholverbot… für mich gibt´s ein alkoholfreies Bier aus Deutschland (!) zum Steak.

 

Samstag, 20. August 2016

Zurück zum Grand Canyon … erstmal durch weites Navajo-Land, grüne Plateaus soweit das Auge reicht, Straßen, die stangengerade hindurchführen. Dann befahre ich auch noch die Enklave der Hopi-Indiander… ganz anders als Navajo-Land. Aufgeräumter, wieder mehr zusammenliegende Ansiedlungen. Und anscheinend leben die Hopis gerne oben, denn viele ihrer Dörfer liegen an Canyonrändern und zwar wirklich ganz dicht am Rand!

In Tuba City mach ich ne kleine Pause, dann geht´s direkt Richtung South Rim. Gleich hinter der Stadt beginnt eine eigentümliche Wüste! In Schichten vielfarbige Kegelberge ragen aus dem Land in sand und lila, dazwischen silbergraue, halbrunde Flächen aus Fels. Sehr schön anzusehen mit dem blauen Himmel darüber.

Auf dem South Rim bleibt mir dann der Atem stehen als ich am ersten Viewpoint, dem Desert View, in den Canyon blicke. Atemberaubend! Unglaublich schön… die changierenden Farben, die Formen der Schichtenkegel, die gesprenkelten Flächen, der glitzernde Colorado-River ganz unten. Heute merke ich die Höhe hier … bin etwas kurzatmig 😉 – kein Wunder: ich bewege mich auf etwa 2.700 m! Wie oft haben wir das schon zu Hause… selbst das Monument Valley lag auf 1.900m über Meeresspiegel, der Tioga-Pass in Yosemite war auf 3.000m und das Death Valley dagegen 85 Meter unterhalb. Nicht nur die Entfernungen sind groß, auch die Höhenunterschiede, die ich in diesem Roadtrip bewältige.

 

Sonntag, 21. August 2016

Helikopterfliegen… ich bin aufgeregt. Keine Ahnung warum.

Und dann das… als das Ding abhebt schießen mir die Tränen aus den Augen – so erhebend, erfüllend, so unglaublich schön dieses Gefühl. Nicht dur das des Fliegens, sondern das, mir diese Freude machen zu könne, mich selbst beschenken, erfüllen zu können … als der Canyonrand auf uns zukommt bin ich komplett überwältigt und die Tränen fließen ohne Ende… welch ein erhabenes, allumfassendes Gefühl. Unfassbar schön dieser Flug!

Dieses Gefühl des Endorphintornados in meinen Adern hält den ganzen Tag an und alles was folgt ist davon geprägt… die Jeeptour mit Alvin, der vieles rund um seine Heimat erklärt: Pflanzen, Tiere, Gefahren… und den schützenswerten Raum. Danach geht’s´s ins IMAX-Kino und noch einmal bekomme ich das Gefühl des Fluges und dazu noch das das des Riverraftings geschenkt. Mittendrin ist man in dem Kino … nicht nur Zuschauer. Der pure Wahnsinn!

Nach einem wunderbaren Snack im Cafe fahre ich nich raus auf den Trailview Overlook wo ich das heranziehende Gewitter beobachte. Inzwischen sind alle Park-Straßen gesperrt, die Buslinie ist eingestellt … es blitzt, grollt und beginnt zu regnen. Alvin nennt es Sommerrain. Ich würde eher von Summer Thunderstorms sprechen. Gewaltig geht der Regen nieder … Das Universum zeigt deutlich wer hier das Sagen hat. Und ich verkrümle mich gemütlich und überglücklich in mein Zimmer… bald gibt´s nen Drink und ein feines Essen im restaurant – ein Prosit auf diesen, meinen schönsten, besten, beeindruckendsten Tag meines bisherigen Lebens!

 

Montag, 22. August 2016

What a day! Morgens um halb sieben aufgewacht… strahlend blauer Himmel. Also nix wie raus und noch mal ans sogenannte Amphietheater am Süd Rim gefahren… großartig! Auf dem Rückweg gibt´s weltbesten Cappuccino und ein Croissant zum Frühstück. Gepackt ist schon, nur noch auschecken und los geht´s. Ich habe einen langen Ritt vor mir!

Zunächst geht es weiter durch den Kaibab National Park, schöne Ponderosa Pinien, dann hinaus auf offene Graslandschaft mit den Bergen von Flagstaff im Hintergrund. Über den Highway bis zur Abzweigung Peach Spring, von dort weiter auf der legendären Route 66 durch wunderschöne weite Bergtäler mit sanft abfallenden Hängen in lindgrün und kleinen Sonnenblumen am Straßenrand. Hier sind Radler unterwegs, aber keine Harley-Fahrer – was mich wundert! Kurz vor Peach Springs krieg ich einen ordentlichen Regenguss ab. Na da ist das Auto mal wieder staubfrei ;-). In Peach Springs bei den Huapai-Indianern lege ich eine kurze Rast ein und informiere mich über das West Rim – mein Ziel heute. Die nette Indiander-Frau am Tresen schaut mich mitleidig an und sagt der Trip dauere 2,5 Stunden … na ja, wenn die wüsste, dass ich ebenso lange schon unterwegs bin. Also los.

Bei Kingman geht es rechts weg in die Mojave-Wüste. Faszinierend, wie sich die Landschaft wandelt.. immer karger wird, die Berge sind Felsbrockenanhäufungen, die weite Fläche dazwischen karges Land mit vereinzelten Joshua-Bäumen. Ein Teil wird bewässter, man versucht ihr hier wohl fruchtbares Land abzugewinnen für Landwirtschaft. Immer wieder geht es durch verschiedene „Washs“, wobei Schilder jeweils darauf hinweisen: „Don´t enter when flooding“… ich denk mir noch, was soll denn hier fluten in der Wüste. Tja, ich soll später eines besseren belehrt werden.

Irgendwann geht es rechts ab auf die Straße zum West Rim und ich fahre in immer dichter werdende Joshua-Baum-Hänge, die ansteigen zu steinigen Felsformationen. Unglaublich schön, diese Kombi aus Dunkelgrün und Grau, darüber fette weiße Wolkenberge! Die Straße wird kurvig und macht Spaß, denn es ist kaum jemand unterwegs.

Am West Rim angekommen muss ich das Auto parken, denn das Gebiet ist Haupai-Gebiet und darf nicht individuell befahren werden. Jetzt stellt sich die Frage: Eintritt mit oder ohne Skywalk? Na da wird nicht lange gefackelt. Natürlich mit! Los geht´s mit dem Busshuttle zum Skywalk am Eagle Point. Die Landschaft hier ist ganz anders als am Süd Rim. Dort war es dichter Pinienwald bis an den Abbruch hin, hier ist es karge Steppe mit kleinen Grasbüscheln und stacheligen Aloearten. Und dann der erste Blick hinunter zum Colorado, über die rotfarbigen Wände des Canyons – einfach fantastisch!

Damit ich´s mir nicht noch mal anders überlege, gehe ich gleich mal mutig los zum Eingang des Skywalks. Hier muss ich alles abgeben (nichts darfst du dahin mitnehmen, nicht mal dein Handy), bekomme Überzieher für die Schuhe und schon befinde ich mich – … – oh wow – auf der Gläsernen Plattform über dem Canyon. Unter mir nichts als Abrund, vor mir die weite es Canyons und der Fluß im Tal. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl so frei über allem zu stehen! Fotografen warten natürlich schon und es gibt ne kleine Fotosession im Stehen und Sitzen. Ich genieße diesen besonderen Moment – fast wie schwerelos über den Dingen zu stehen und zu gehen.

Im Hintergrund ziehen dicht Wolken auf – und ich hatte wieder einmal großes Glück! Denn kurz nach mir wird der Skywalk wegen eines aufziehenden Gewitters geschlossen! Yeah! Ich nutze die Zeit bis zum Regen noch um zum Guano Point zu fahren und mich hier in Ruhe von diesem einzigartigen Naturmonument zu verabschieden… schön war´s du ganz Großer! Ich bin zutiefst beeindruckt.

Auf dem Rückweg zu Auto fallen die ersten Tropfen. Gerade noch rechtzeitig, dachte ich mir … doch ich wusste nicht, was mir noch bevorstand.

Es geht den gleichen Weg zurück, wieder durch die Joshuabaum-Hänge und die erstrahlen jetzt vor tief schwarzem Himmel, es beginnt zu blitzen und der Regen wird stärker. An der Talsohle der Wüste angekommen, dann die Überraschung! Die Straße, die ich gekommen war durch die Wüste ist komplett überflutet, auf unserer Seite kommen Wassermassen am Straßenrand geschossen! Jetzt wird mir die Bedeutung der Schilder klar! Ich stehe staunend am Straßenrand und beobachte das Spektakel. Beim Blick auf mein Handy, um eine neue Route rauszusuchen, sehe ich die Warnmeldung vor Flash Floods. Oh ja, ich habe eine Vorstellung, was das heißen könnte! Die Umwegroute kostet eine Stunde, doch sie geht an der Anhöhe entlang und ist denke ich sicherer. Doch das Unwetter nimmt drastisch zu! Es ist schwarz wie die Nacht, Blitze rundherum, ein starker Wind, auf der Straße zentimeterhoch das Wasser! Immer wieder muss ich anhalten, weil ich gar nichts sehen kann vor Regen. Und dann entsteht da dieser wahnsinnig schöne Regenbogen!

Langsam und mit klopfendem Herzen fahre ich den Highway Richtung Kingman – die nächstgelegene Stadt und rette mich mit zitternden Knien in den Mac Donalds. Draußen tobt es! Einfach der Hammer, was hier abgeht! Als es ein wenig nachlässt mache ich mich auf den Weg zum nahegelegenen Motel. Die Straßen stehen teilweise 10 cm unter Wasser. Ich versuche auszuweichen in der Befürchtung, das Auto könnte mir „ersaufen“. Alles geht gut und ich bin froh in meinem Motelzimmer in Sicherheit zu sein, während es draußen weiter tobt, blitzt und die Sirenen stundenlang kein Ende nehmen wollen… Solche Naturgewalt habe ich noch nicht erlebt! Hier ist eben alles ein paar Dimensionen größer und mächtiger!

 

Dienstag, 23. August 2016

Der Morgen zeigt sich freundlich… ein paar Restwölckchen und viel Wasser auf Straßen und Grasland… sonst ist nichts übrig vom Unwetter. Ich mach mich auf den Weg gen Palm Springs. Eine lange Fahrt! Zunächst geht es über die Route 66 – wunderbare bergige Landschaft, ein kleiner Paß und viele Kurven. Eigentümliche Gewächse zieren die Hangflächen… langarmige Kakteen, buschige, hellgrüne und viele Stachelungeheuer mehr. Jenseits der Passhöhe erreiche ich Oatman, ein alter Goldgräber-Ort, der seinen Charme für die Touristen aufrecht erhalten hat. Ich mache eine Rast im Oatman Hotel, der Gastraum ist vollgeklebt mit 1 Dollar-Scheinen… ein lustiges Ambiente!

Dann geht es in die Wüste – Mugave-Wüste Teil 2. Diesman unendlich lange! Unfassbar, wie groß diese Wüst ist. Eingerahmt von Bergketten an beiden Seiten eine riesige Fläche Sand, Geröll und Gestrüpp. Sonst nichts. Es ist wieder brütend heiss und die Fahrt wird anstrengend. Mittendrin ein verlassener Ort mit Abbruchhütten und einem „Friedhof der verlorenen Schuhe – und einem BH im Busch. Die einzige Abwechslung. Im Yucca Valley kehrt langsam wieder Zivilisation ein, erste verstreute Ansiedlungen, dann richtige Orte. In Twentynine Palms gönne ich mir eine Pause bei Starbucks mit einem großen Beeren-Eistee. Wunderbar! Jetzt noch eine Stunde, dann bin ich angekommen.

Hinein geht´s nach Palm Springs durch einen Windkorridor, es fegt ordentlich und eine riesige Menge Windräder und Sonnenkollektoren zeigen, welche Energien hier herrschen. Es ist heiss und der Wüstenwind wie im Umluftbackofen.

Palm Springs gefällt mir auf Anhieb! Die schönen, eigenwilligen Häuser am Boulevard, die netten Geschäfte, Cafes, Restaurants… und tausende von Palmen! Sehr ansprechend! Im Hotel angekommen geht’s erstmal in den Pool und ich gönne mir eine Ruhezeit. Danach suche ich mir ein sehr nettes Restaurant mit Garten und Live Musik für ein leckeres Abendessen… und habe meinen Spaß. Zu Sweet Home Alabama tanze ich dann noch ne Runde… ein wundervoller Tagesabschluß!

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