11 Erkenntnisse, die mich die Reise lehrt

Was ich gelernt habe und mitnehme von dieser Reise

Zu allererst: es war die großartigste Reise meines Lebens!!!!!

 

  1. Umwege erhöhen die Ortskenntnis und manchmal ermöglichen sie erst Entdeckungen!

Im Fjordgebiet des Jotunheimer Nationalparks habe ich mich verfahren und habe die Hauptstraße Richtung Skjolden genommen… endlose Tunnel reihten sich aneinander. Sicherlich ein schneller Weg, doch nicht die Naturparkstraße, die ich nehmen wollte. Nach den Tunneln bog ich einfach links ab und landete auf einer sehr ursprünglichen Naturpiste quer über die Schneeberge. Das Land der Schneetrolle in seiner schönste Form! Und nach einer Kurve da standen sie: Elche – eine ganze Herde Mutter- und Jungtiere. Sie waren wohl genauso verdutzt wie ich, denn ich würgte den Wagen ab und sie blieben einfach stehen und beäugten mich! Ein großartiges Erlebnis!

In Oslo hatte ich meinen Orientierungssinn verloren – warum auch immer – die Stadt foppte mich! Ich wollte quer und landete doch immer wieder am Fjord. Dabei entdeckte ich – ermüdet vom bergauf und bergab fahren auf der Suche nach der Querung – eine Hafenkneipe, die ihresgleichen sucht: „the place where happy people meet and have a good time“ – so ihr Motto und das stimmte zu 100%!

 

  1. Abkürzungen sind hilfreich und lassen neue Möglichkeiten entstehen

Am Ende meiner Norwegentour stand Oslo – eine wundervolle Stadt. Von hier aus sollte es durch Südschweden gehen Richtung Dänemark – dort zuerst nach Kopenhagen. Irgendwann – angesichts von Google-Map kam mir die Idee, warum nicht direkt nach Dänemark und zwar mit der Fähre! Statt 700 km die Schwedische Küste entlang zu fahren, 4,5 Stunden auf die Fähre von Langesund nach Hirtshals. Gesagt, gebucht und auf nach Langesund – ein wundervoller kleiner Ort! Ich fragte im Ort nach einer Übernachtungsmöglichkeit und landete im Langesunds Badethus – einem altehrwürdigen Anwesen im victorianischen Stil, weiße Holzbauten auf der Klippe mit Blick über das Meer. Großartig! Ein Zimmer mit Ausblick zum halben Preis und abends im Hafen einen kleinen Snack – obwohl das Restaurant schon geschlossen hatte! – und eine herzliche Unterhaltung mit der Chefin des Hauses! So hat mir Norwegen den Abschied schwer gemacht und die Ankürzung eine wundervolle Zeit beschert!

 

  1. Spar dir die Reiseführer!

Ich habe für alle Länder einen dabei und dazu Geo-Spezial-Hefte. Reingeschaut hab ich bei der Reise nur ein einziges Mal (und das umsonst, wenn auch nicht kostenlos!). Statt dessen frag Mr. Google! Es gibt wundervolle Touristenseiten und Foren. Da kriegst du viel mehr mit und bist ganz nah dran! Außerdem gibt es überall regionale Infos, die ausliegen, z.B. in den Campingplätzen oder stets am Bahnhof! Da sind kleinregionale Karten drin mit Sightseeing-Tipps, die deine Planung vor Ort unterstützen.

 

  1. Fahr ohne Navi!

Ich bin alles nur mit Karten gefahren – vielfach eben den regionalen, die ich mir vor Ort holte. Die meisten schönen Plätze habe ich entdeckt, in dem ich meiner Intuition und der Himmelsrichtung gefolgt bin – ganz ohne kleinteilige Ziele! Ich wäre nie auf der Atlantikroute oder der Fjordfähre gelandet hätte ich ein Navigationssystem gehabt!

 

  1. Der Weg ist das Ziel – suche nicht, finde!

Ich habe stets vertraut, dass alles zur rechten Zeit eintreffen wird. Und genauso war es auch. Ich brauchte eine Unterkunft – es kam eine (und immer eine schöne – mit einer einzigen Ausnahme in Dänemark). Ich habe nie gesucht, sondern stets gefunden. Ein einziges Mal habe ich gezielt gesucht – und es kam NICHTS! Allein die Vorstellung dessen, was ich suchte hat mich den ganzen Tag davon abgehalten zu finden (davon bin ich jetzt zutiefst überzeugt!). Erst als ich wieder abließ von meinem Vorhaben, kam eine Möglichkeit und noch eine und noch eine … So geschehen in Norwegen: Ich wollte unbedingt auf die Lofoten – und verpasste dadurch wundervolle Aussichtspunkte an der Küste Norwegens. Ich war zu schnell und schon vorbei am schönen Berg, der sich im Wasser spiegelte! Das ärgert mich, umdrehen wollte ich auch nicht (ich wollte ja auf die Lofoten!) und der Ärger versaute mir wahrscheinlich auch noch einige andere schöne Aussichten bis ich an der Fähre ankam.

In Dänemark bildete ich mir ein Haus am Strand ein für 3 Tage … ich suchte einen ganzen Tag lang, fragte in Touri-Infos und ließ mich beraten… ich fuhr und fuhr und – fand NICHTS. Erst als ich aufhörte zu suchen, fand ich mein quietschgrünes Häuschen direkt am Strand von Kerteminde – einem superschönen Örtchen auf Fynen mit Fjord und Strand und Leben, wie ich es mir wünschte ;-)

 

  1. Folge deiner Intuition!

Am ersten Abend in Dänemark wollte ich noch ein Stückchen an der Westküste fahren. Ich hatte einen Leuchtturm im Auge, den ich noch anfahren wollte: Rubjerg Knude. Als ich durch Lonstrup, dem Ort vor dem Leuchtturm fuhr, sah ich links ein Motel/Campingplatz… ich fuhr vorbei. Dann einige hundert Meter nach dem Ort sagte mir meine Intuition „dreh um!“. Ich tat es, fragte nach einem Zimmer, bekam das letzte freie und nebenan im Restaurant eine Fischsuppe. Als ich mein Bier auf der Terrasse austrank kam der Wirt zu mir – ein Palästinenser, der seit 1995 in Dänemark lebt und hier diverse gastronomische Betriebe führt, und unterhielt sich mit mir… das übliche „woher kommst du etc.“. Die Sonne stand schon eher tiefer (um etwa 21.30 Uhr ;-) und ich wollte noch zum Leuchtturm. Also sagte ich – ich käme nachher nochmals vorbei auf ein Bier und er, ja klar, bis elf sind wir hier. Der Sonnenuntergang am Leuchtturm war phänomenal! Einer meiner schönste in meinem Leben! Es war halb elf, als die Sonne dann hinter dem Horizont verschwand, ich hatte noch etwa 20 min zu laufen und kam kurz vor 11.00 Uhr wieder ins Lokal. Der Wirt freute sich! Und wir tranken zusammen ein Bier … und dann noch eines und noch eines … DENN: er hatte Geburtstag! Und spendierte eines nach dem anderen. Er legte super Songs auf (Michael Jackson war sein Lieblingsinterpret). Nach dem 3. Bier musste ich mal für kleine Mädchen und als ich wieder raus kam lief der Song „Dance with me“ – und wir tanzten – der Wirt und ich. Der junge Kellner, der noch da war stand sprachlos da und lachte und freut sich. Die Abschiedsworte des Wirtes waren an diesem schönen Abend: „The beste Birthday I ever had – thank you“. Ich habe zu danken!

 

  1. Alles hat einen Grund und ist gut so wie es ist:

Ich kaufte mir Brotzeit für ein Picknick an der Atlantikstraße. Und als ich noch nach einem schönen Platz Ausschau hielt, war der „schöne“ Teil der Straße vorbei. Ich war auf der Überlandstraße gelandet… umkehren wollte ich nicht mehr. Also weiter. Abends suchte ich eine Übernachtungsmöglichkeit vor dem Trollstieg. Das Hotel, das ich als erstes anfuhr war voll… also nahm ich den nächsten Campingplatz. Ich hatte eine wundervolle Hytta. UND – ich hatte was zu Essen dabei! (es hätte nämlich nichts zu kaufen gegeben… außer das dazu passende Bier ;-)

 

  1. Wie es in den Wald ruft, schallt´s zurück

Freundlichkeit ist eine Tugend, die Türen öffnet – das habe ich mehr als einmal erlebt! Ob es ein Ober war, der mein freundliches Begehr nach einem Tisch in einem überfüllten Lokal möglich machte und sich anschließend bei mir bedankte und mir einen schönen Abend wünschte oder der nette Herr in der Räucherbude in Fraaborg, der mich gerne beriet, wo die schönste Plätze hier zu finden sind oder einfach nur „guten Appetit“ zu wünschen – und anschließend ein wundervolles Gespräch zu haben das damit abschließt, dass ich das Kompliment bekam, „es war sehr schön, Sie kennen gelernt zu haben – Sie haben mir meine Mittagspause versüsst“. In der Nordlandsbahn von Trondheim nach Bodo stieg irgendwann eine alte Dame mit Rollator ein und hatte den Platz neben mir. Irgendwann fragte ich sie, ob sie einen Cafe wolle aus dem Speisewagen, ich würde ihr einen holen… gesagt, getan. Ich wurde belohnt mit ganz vielen Geschichten und Tipps und einem zärtlichen Wangenstreicheln zum Abschied als sie wieder ausstieg… Oder die Dame, die eigentlich schon Feierabend hatte, am Campingplatz in Ramberg auf den Lofoten. Sie hatte keine freie Hytta mehr, doch auf mein freundliches Fragen nach einer Empfehlung rief sie sogar für mich an bei einem kleinen Cafe, das wenige Zimmer hatte – und es war eines frei! Juhu. Dazu passt auch noch das herzliche Gespräch mit der Gastronomin in Langesund, die – obwohl die Küche schon zu hatte – mir einen Abendsnack bereitete und sich dann eine halbe Stunde mit mir über Gott und die Welt unterhielt.

 

  1. Du brauchst einen groben Plan, den du aber nicht sklavisch einhältst

Die groben Punkte und Sightseeings der Reise hatte ich mir vorbereitet und in einer Karte eingezeichnet. So wusste ich immer welche Richtung ich nehmen konnte… und dann kommt so manches anders! Und das ist gut so. Auf der Überfahrt mit den Hurtigruten wurde für die Atlantik-Road geworben – ich nahm sie dann und hatte eine fantastische Zeit dort (und perfektes Wetter, während es in den Bergen wolkig war!)

In einem Berggasthaus auf dem Aurlandfjord-Veij, wo ich eine Cafepause machte, wurde für eine der längsten Fjord-Autofähren Norwegens geworben. Es passte in der Zeit und ich nahm diese wundervolle 3,5-stündige Fjordfahrt (besser als alle Sightseeing-Fjordfahrten, die man irgendwo buchen kann!)

 

  1. Du brauchst die Freiheit eine „Streich-Liste“ zu führen.

Als ich all die wunderbaren Fjorde abfuhr wurde mir klar, dass mein grober Plan zu ambitioniert war! Bergen, Stawanger, der Süden Norwegens und der Süden Schwedens standen da noch drauf. Ich strich all das mutig und ohne Bedauern für eine erfüllte Zeit in Dänemark. Übrigens mit dem Effekt, dass ich auch für die Rückreise nach Deutschland eine Fähre gebucht habe von Rodby nach Puttgarden, was ebenfalls hunderte von km an Fahrt spart ;-) man ist ja lernfähig.

 

  1. Erst Makro, dann Mikro

Es ist genial, sich einem Ort in zwei Schritten zu nähern… zunächst aus der Makroperspektive, dann im Mikrostudium… z.B. am Siljansee in Schweden bin ich zuerst mit dem Auto los um die Gegend zu erkunden um anschließend wunderbare Mirkobetrachtungen mit dem Rad zu unternehmen. Oder in den Städten. In Oslo habe ich am ersten Tag den Hopon-Hopoff-Bus genommen um einen Überblick zu bekommen um dann am nächsten Tag mit dem Rad gezielt zu fahren. Ohne Rad wäre das für mich nicht möglich (da ich nicht weit laufen kann). Also unbedingt Rad einplanen (was hier überall kein Thema ist, denn Räder zum Leihen stehen an jeder Ecke). Ich hatte mein eigenes Rad dabei und will das nicht missen!

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1 Antwort

  1. Liebe Marion,
    ich bin begeistert: von dir, von deiner Reise, von deinen Erkenntnissen, von deiner Sinnstifterei!!!
    Dein Blog ist wunderbar geworden.
    Du, deine Erkenntnisse und deine Bilder sind mir eine großartige Inspirationsquelle – insbesondere auch für meine Lebensfilm-Reise ;-)

    Danke!
    Barbara