Auf Reisen bin ich gaaaanz anders! Oder?

Es ist an der Zeit – jetzt nach mehr als 6 Wochen Vagabundentum – einen genaueren Blick zu wagen auf dieses Reisen, das Selbst und Sein auf Reisen. Alles anders, erfinde ich mich gerade neu, ändere ich mein Verhalten, meine Sichtweisen? Bin ich ein anderer Mensch – so als freier Weltreisender ohne Plan und Ziel?

Mal ganz auf Anfang:

Ich hatte weder Plan noch Ziel mit dieser Reise. Nicht mich zu finden, nicht mich neu zu erfinden oder gar mein Glück zu finden. Ich habe mir schlichtweg einen Lebenstraum erfüllt mit dieser Reise. Einfach mal los wohin mich meine Gelüste und die Verkehrsmittel tragen. Also anders als viele, deren Blogs ich lese, gab es nichts „hinter mir zu lassen“. Ich bin zufrieden und glücklich in meinem Leben. Hier und dort, „dahoam“ in dem schönen München, mit meiner Passion, dem Coaching, und mit meinem Leben, meiner Familie, meinen Freunden, meinem Zuhause, meinen Lebensumständen. Alles was ich wollte war … ja was eigentlich?

Reisen bedeutet für mich Freiheit und Abenteuer! Unbekanntes zu entdecken, Neues zu erleben, mich inspirieren zu lassen und meinen Geist und meine Seele zu nähren. Das war schon immer so – weil es meine tiefe, intrinsische Motivation ist. Entdecken, Abwechslung, Lernen, Wachsen und Taten folgen zu lassen sind meine wichtigsten Triebfedern. Und genau das tue ich immer. Die Reise ist also ein weiteres „Unternehmen“ meines Lebens. Genau das.

Die Reise bis hierher:

Der totale Wahnsinn! Ich hatte Myanmar als erste Destination gewählt, weil das Land touristisch noch relativ jungfräulich ist. Und bin aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen! Nie habe ich Schöneres gesehen: an Landschaften, Bauwerken, kulturellen Stätten. Trotz immenser Verständigungsschwierigkeiten was die Sprache anbelangt (Englisch ist dort noch wenig verbreitet) habe ich mich in jeder Minute willkommen und aufgenommen gefühlt. Die Menschen – egal welcher Völkergruppe entstammend – sind herzlich, offen, neugierig und freundlich. Gerade wenn ich mit meinen 1,81 m durch tiefhängende Sonnenschutzplanen durchlief und mich immer wieder bücken oder in Häusern unter den Balken den Kopf einziehen musste, kam Kommunikation zu stande. Gekicher ob der Größe oder Bewunderung meiner blauen Augen – alles führte zu einer Art Gespräch mit Händen und Füßen! Es gab nicht einen Tempel oder Palast, an dem ich nicht gebeten wurde mit der ganzen Familie oder den Freunden fotografiert zu werden. Das für mich aber eindrucksvollste war und ist (und das werde ich stets in meinem Herzen tragen) – wie froh und glücklich die Menschen dort sind. Ich hatte es schon in meinem Reisebericht geschrieben: sie lächeln IMMER und das obwohl ihre Lebensumstände keineswegs – in unseren Augen – zufriedenstellend sind. Und auch da sei mal festgestellt… es kommt nicht darauf an, wie du materiell ausgestattet bist, vielmehr ist es der Sinn, den du in deinem Leben verspürst. In Myanmar ist das ganz deutlich der Glaube, der den ganzen Tag und das Leben bestimmt, und der Zusammenhalt im Dorf, der Gemeinschaft, der Familie. Rituale, gemeinsame Kultur und Bräuche geben Halt und dem Leben Sinn. Etwas, das ich übrigens auch auf Bali schon so sehr tief empfunden hatte vor Jahren.

Thailand als zweite Destination bot sich einfach an, weil in direkter Nachbarschaft. Und ich war hier noch nie. Darüber hinaus sind Myanmar und Thaland ja tief miteinander verwurzelt. Im Norden erkenne ich viele Ähnlichkeiten zu den local people of Myanmar. Die Herzlichkeit, wieder das Willkommen sein – allerdings mit Abzügen in der B-Note: der Tourismus hat die Menschen hier verändert (und ja, mir ist bewusst, ich trage auch dazu bei mit meiner Reiselust). Die Offenheit und Neugierde hat gelitten, die Thais haben schon alles gesehen an Auswüchsen des modernen Tourismus. Das macht sie etwas stumpfer. Und ganz ehrlich – wenn ich mir hier die chinesischen oder russischen Touristen ansehe … mir wäre auch nach Abstumpfung! Wie die Axt im Walde wird sich verhalten. „Ich zahlender Gast, ich König“ – schreit es aus jedem Auftreten. Ja klar, gibt´s sicher auch bei deutschen, französischen oder amerikanischen Gruppenauftreten, aber ich habe es eben so erlebt.

Hier bin ich nun also im Norden Thailands und werfe einen Blick auf mich und die Auswirkungen oder Wirkungen der Reise.

Alles anders auf Reisen, oder?

Vorneweg die deutliche Erkenntnis: NICHTS IST ANDERS. Ich bin genau die Marion, die ich auch zu Hause bin.

Ich sorge dafür, dass ich für mich Spannendes und Schönes erlebe. Das ist mein Unternehmer-Gen – zu Hause gleichermaßen, wie hier auf Reisen. Ich recherchiere, frage, informiere mich, was es zu sehen gibt, wähle aus, was mich interessiert, stelle zusammen, wie ich dorthin komme und mache es  … und dann  … freue ich mich wie ein kleines Kind und komme aus dem Dauergrinsen nicht mehr raus. Zu Hause sind das vielfach Kurztrips oder Ausstellungen, Konzerte oder ein Fotonachmittag im Botanischen Garten (wer mich kennt weiß, dass ich eine fortlaufende „Marion´s Glücksdoping-Liste“ führe). Hier fällt mir mein erster Tag in in Mandalay dazu ein. Da hatte ich bereits Tipps von Mitreisenden ob der schönen Sightseeings. Ich kam am frühen Nachmittag an und hatte mir zwei Punkte ausgesucht. Da diese weit voneinander entfernt lagen (Touriprogramme fassen effizient die nördlichen und die südlichen Attraktionen zusammen), nahm ich mir ein Motorbike-Taxi (was bei dem Autoverkehr sowieso Sinn macht, weil Motorbikes sich durchschlängeln können). Der Fahrer brachte mich zunächst an einen der Seiteneingänge der Mahamundi-Pagode. Unter lauter Einheimischen ging ich die heiligen Treppen hinauf und hatte zwei meiner schönsten Stunden in diesen Gold-Roten-Gemächern bei warmem Nachmittagslicht. Danach gings einmal quer durch die Stadt zum Mandalay Hill – auch dort zum Seiteneingang, wo mich 1.729 Stufen erwarteten, die ich in Begleitung zweier Mönchsnovizen (die einen hellen Spaß mit mir hatten, weil ich keuchte und sie das ganz locker nahmen – kein Wunder: die laufen das 2 x täglich zum Beten!) mit Fetzen von englischer Konversation unterhaltsam beschritt. Oben angekommen – Sonnenuntergang. Was für ein Erlebnis!

Wenn mir mulmig ist in einer Situation, wäge ich die Chancen und Risiken ab und handle dann entsprechend. Ich wage weder zu viel (Sprung vom Felsen ins Meer, wenn ich nicht weiß, was darunter ist), noch lasse ich mich von meinem zivilisierten Bangen von etwas abhalten (ich erinnere mich an eine Situation, in der ich bei Dunkelheit 3 km einen steilen, völlig unbeleuchteten Bergweg hinunter lief – und zwar völlig allein nur mit einer Taschenlampe ausgestattet, an dunklen Hütten vorbei und durch unbewohnte Gegenden… ich hörte immer irgendwas, das in mir das Gefühl aufkommen ließ, jemand sei hinter mir, oder ein Rascheln da und dort, es könnte ein wilder Hund sein, der mich anfällt oder sonst was! – ganz nebenbei: die Geräusche hinter mir habe ich selbst verursacht mit der halbvollen Wasserflasche in meinem Rucksack und Hunde und Katzen hatten mehr Angst vor mir und sind ganz schnell abgehauen.) Es war – ganz grundlos mit Bangen – eine wundervolle Nachtwanderung unter einem gigantischen Sternenhimmel, den man so – natürlich nur in finsteren, unbeleuchteten Berggegenden wie hier im Nirgendwo von Myanmar finden kann!

Ich nehme Herausforderungen an – das gilt vor allem für körperliche (da meine Knochen ja nicht ganz fit sind, gilt es das richtige Maß zu finden). Eine Zugfahrt mit 20 kg Gepäck? OK – einmal durchdacht kein Problem, denn ich kann um Hilfe bitten. Und ich habe stets Hilfe bekommen. Eine 4-stündige Wanderung in den Bergen (bergauf-bergab ist für meine Knie eine Herausforderung)? Ich kann jederzeit umkehren. Ich habe gelernt meine Grenzen zu achten und entsprechend zu handeln. Ich hatte die Situation am Goldenen Felsen, da mir ganz klar war nach dem Abstieg – den Aufstieg und einen weiteren Abstieg schaffe ich nie! Mit ein bisschen Nachdenken und Nachfragen lief ich quer zum Berg zur Straße auf der die Trucks – eigentlich nur vom Tal aus – die Menschen hinauffahren. An einer „Donation“-Haltestelle (hier werden für die verschiedenen Tempel auf dem Weg nach oben Gaben eingesammelt), fragte ich (mit Händen und Füßen) Einheimische, ob ich eine Chance hätte, dass mich ein Truck auch von hier aus nach oben nähme. Man bedeutete mir mich hinzusetzen. Kaum 5 Minuten später hielt ein Truck und mir wurde mit Gesten bedeutet, mich auf den Truck zu schwingen (ja, lach nur … wirklich schwungvoll war das nicht ;-)). Ich kletterte also hinten rauf und landete im Gepäckfach auf Säcken voller Decken und Kissen (die Einheimischen fahren nämlich auf den Berg und übernachten dort im Freien). Und schwups war ich wieder oben angelangt!

Ich sage immer noch einmal zuviel Ja – und merke dann erst später, dass es vielleicht zu viel war. Auch das ist typisch Marion. Als Chancensucher sind alle Möglichkeiten reizvoll! Zum Beispiel nach einem anspruchsvollen Ausflugstag am Abend noch zur Fledermaushöhle wandern. Phuuuu – da kam ich an meine Grenze. UND – es war die Anstrengung wert! Genau wie in meinem Leben zu Hause überfordere ich mich manchmal – oder positiv ausgedrückt: ich weite meine Komfortzone aus. Das kostet vielleicht einen Preis (voll ko,  die Knochen schmerzen), aber da ist immer auch der Gewinn! Und ich schenke meine Aufmerksamkeit dem Gewinn – also dem tollen Erlebnis, der großartigen Begegnung oder – in meiner Tätigkeit: dem guten Ergebnis eines 3. Coachings am Abend eines eh schon vollen Tages. Und im Nachhinein habe ich nicht ein einziges Mal bedauert, „mich gestreckt zu haben“. UND: ich sorge dann danach dafür, dass ich die nötige Erholung finde, die den Ausgleich schafft, gönne mir einen freien Tag, sage gar Termine ab. Nennt man gemeinhin Achtsamkeit.

Ich bin gerne alleine – und NIE einsam. Ich kenne das von mir: manchmal ist mir einfach nach „ich nur für mich“. Dann will ich nicht mehr sprechen, telefonieren, keine Gesellschaft… einfach nur sein – allein sein, meine Gedanken sprechen lassen, meinen Gefühlen horchen, Seele baumeln lassen, mir Gutes tun, lesen oder einen Film gucken. Und manchmal ist mir fad allein. Daheim rufe ich dann eine Freundin oder Freund an und verabrede mich, wir haben Spaß, unternehmen was oder sind einfach nur zusammen faul. Klar, das ist auf Reisen anders, denn ich kann hier nicht eben mal Freunde anrufen und daten ;-) – ABER: wenn ich Lust auf Gesellschaft habe, reden möchte, finden sich stets andere Reisende in der Umgebung. Und wenn nicht, wechsle ich die Location! Ich habe unglaublich viele tolle Menschen kennen- und schätzen gelernt in den letzten 6 Wochen! Manche nur kurz, manche für ein paar Tage! Viele von ihnen sind mir ans Herz gewachsen und wir schreiben uns von unseren unterschiedlichen Destinationen nach wie vor. Einige davon sind sicher Verbindungen, die halten werden – auch nach der Reise ihre Fortsetzung finden werden. UND – da ist noch etwas ganz wichtiges! Ich habe meine Wurzeln nach Hause zu meinen Freunden! Per WhatsApp, manchmal auch Skype oder Telefon stehen wir alle miteinander in Kontakt! Ich BIN also nicht allein – nie – egal wo ich bin … die Wurzeln sind stabil und die gesunde Basis für meine Reise. Wer gute, gesunde Wurzeln hat, der kann auch seine Flügel ausbreiten!

Struktur und Planung – UND Spontanität. Ja, das geht sehr gut zusammen (vorausgesetzt man ist nicht dogmatisch ;-). Ich plane gerne voraus, nehme mir Sachen vor, strukturiere das Vorgehen (daheim wie hier übrigens auf Schmierzetteln, was ich noch tun will und wann und überhaupt). So hatte sich also bereits am Anfang von Thailand herausgestellt, dass China mich magisch anzieht! Also habe ich auf Kho Phangan angefangen zu recherchieren… Visum und was es sonst so braucht… Geplant, getan. In Chiang Mai habe ich das Visum beantragt und schnell bekommen… Und ich hatte den Hin- und Rückflug nach Chiang Mai gebucht. Soweit so gut … jetzt aber will ich noch nach Chiang Rai und ich pfeife auf den Rückflug! Einzig der Flug nach Peking steht… und bis dahin sind es noch 8 Tage, die meiner Spontanität zur Verfügung stehen. Ich kann auch mal was sausen lassen, wenn etwas anderes meine Aufmerksamkeit verlockt! Hier wie daheim …. (Und falls du dir jetzt sagst … „ja, aber das Geld, die hat doch den Flug schon bezahlt“ – da hast du recht. Nur ist mir Geld noch nie so wichtig gewesen, wie vergleichsweise ein neues Unternehmen, jemand anderem zu helfen oder Gutes zu tun. Deshalb habe ich wahrscheinlich auch genug davon…. – zu dem Thema könnte ich jetzt stundenlang schwadronieren, lass ich aber).

Wenn ich nun ein Resumee ziehen sollte, so wäre es eines, das mich in meinem Leben – daheim und auf Reisen – schon immer leitet: „Zur richtigen Zeit biegt das Richtige um´s Eck. Halt die Augen auf!“

Dazu braucht es nicht viel (und doch so viel zugleich): ein gesundes Grundvertrauen und eine gute Portion Selbst-Sicherheit. Beides habe ich im Laufe meines Lebens gewinnen dürfen (denn beides war praktisch nicht vorhanden). Dafür bin ich unendlich dankbar – meinem tiefen inneren Wunsch zu Wachsen und den Menschen, die mir auf diesem Weg ihre Hand gereicht haben und bis heute mit mir gehen. DANKE!

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4 Antworten

  1. Rositta sagt:

    Glücksdoping-Liste – auf meiner steht Dein Blog ????. Der erweitert meine Herzhüpf-Liste. Danke für Dein Sein! Liebe Grüße Rositta

  2. Daniel Heihsel sagt:

    Liebe Marion.
    Das war wirklich ein super-schöner Bericht. Sehr inspirierend!
    Ich freu mich immer von dir zu hören.

    Liebe Grüße und weiterhin viele tolle Momente & Geschichten.
    Daniel