Australien – der Roadtrip Nr. 2

Mein 2. Roadtrip in den Nordwesten Australiens neigt sich schon langsam gen Ende … und er war reich gefüllt und erfüllend mit wunderbaren Erlebnissen, Landschaften und Begegnungen.

Es ist längst schon überfällig, dass ich euch teilhaben lasse an meinen Erlebnissen hier im Blog (wer Facebook hat, sieht täglich meine „Fortschritte“). Deshalb heute schon mal mein Reise-Tagebuch zum Mitlesen. Die Bilder folgen alsbald! Auf Facebook sind sie täglich sichtbar, also wenn du magst, schau rein!

Dienstag, 10. Mai

Und los! Ich stehe früh auf, denn die zu bewältigende Strecke heute ist lang. Dani hat mich wieder super gebrieft und ich starte mit drei Stops in die heutige über 400 km lange Fahrt.

Aus Perth bzw. von Scarborough aus geht es an der Küstenroute gen Norden. Der erste Stop ist der Yanchep Nationalpark. Hier erwarten mich Kängurus und Koalas. Die Kängurus sind an Menschen gewöhnt und hoppeln nicht wie sonst üblich gleich davon. Ich kann ihnen genüsslich von der Nähe beim Dösen und Grasen zusehen. In einem Eukalyptus-Baum-Areal werden hier 9 Koalas gehalten (die kommen hier nämlich eigentlich gar nicht vor!). Und ich habe Glück, denn zwei sind gerade von den Bäumen runter zum futtern. Einen dritten entdecke ich hoch oben in seinem Baumausguck und zwei weitere schlafen genüsslich in Astgabeln. Die anderen 4 haben sich meinen Augen entzogen. Keine Ahnung wo die sich rumtreiben! Der ganze Park ist ein Idyll und allein hier an dem schönen See mit seinen Wasservögeln und dem Rundweg könnte ich einen ganzen Tag verbringen. „Is aber nich“ (hat Dani gesagt) – die Route heute braucht Disziplin! Nicht dauernd anhalten und lange aufhalten ;-)

Das gelingt mir im Namburg Nationalpark mit seinen versteinerten Bäumen, die aus der Wüste ragen (Pinnacles) kein bisschen, denn hier hat mich eine Energie erfasst, die mir trotz der heißen Temperaturen Gänsehaut bereitet. Vom Parkplatz aus laufe ich los und kann es gar nicht fassen, was Mutter Erde hier für Kunstwerke geschaffen hat! Die Kalksteinnadeln sind wahre Meisterleistungen, sowohl in ihren unterschiedlichen Formen, Größen und Ausprägungen, wie auch in den Gruppierungen – mal große, mal Kleine in eigentümlicher Weise arrangiert. Im Hintergrund schillert westlich das Meer, östlich ragen riesige Sanddünen aus dem grünen Buschland empor.

Schon auf der Fahrt hatte ich eine Fatamorgana mit einer dieser Sanddünen… ich dachte nämlich da stände eine Rauch- oder Wolkenwand über dem Buschland – weit gefehlt! Beim Näherkommen entpuppte es sich als eine lange, weiße Sanddüne mitten im Grün. Diese Aussichten durfte ich heute mehrmals genießen unter anderem auch mit dem türkis/tiefblauen Meer im Hintergrund.

Ich bin hier lange durch die Felsformationen gewandert und habe mich von ihnen faszinieren lassen… jetzt wird es Zeit für die restlichen 250 km, denn es ist schon halb drei. Und ich muss vor fünf an meinem Bestimmungsort des heutigen Routenabschnittes angekommen sein – noch bevor die Sonne untergeht. Auf dem Weg liegt noch die Jurien-Bay – türkisfarbenes, glasklares Wasser, ein abgebrochener Steg und nichts los. Im Sommer ist hier bestimmt voller Bade- und vor allem Schnorchelbetrieb, denn es gibt ein Riff, das schön sein soll. Heute reicht es für mich gerade noch für einen Strandspaziergang und einige farbenprächtige Fotos, dann geht die Fahrt weiter.

Zwei Stunden später ist es geschafft – Geraldton, ein Bade- und Überwinterungsort für Rentner, ist erreicht. Und zwar rechtzeitig vor Sonnenuntergang, den ich dann – dem Ritus entsprechend – mit einem Radler am Strand begieße. Und ich werde auf´s beste belohnt mit einem prachtvollen Farbenspiel über dem Wasser, am Strand und natürlich am Himmelszelt. Danke Mutter Erde!

 

 

Mittwoch, 11. Mai

Heute ist Fahrtag … wie immer bin ich früh wach. Ich packe zusammen und fahre erstmal in den Ort zum Frühstück – direkt am Meer. Herrlich! Das Meer rauscht, die Vögel kreisen, die Sonne lacht. Gut gestärkt geht´s dann los auf den Highway. 460 km liegen vor mit. Ich schätze 5 Stunden reine Fahrzeit… mit Pausen werden es 6.

Es geht durch unfassbar weites Buschland in den immer gleichen Farben rot, gelb und mattgrün.Es sieht eintönig aus, ist es aber nicht. Knorrige Bäume, ausgetrocknete Flußbette, eine Herde Emus und – leider – viele tote Kängurus am Straßenrand. Hier haben sie keine Chance gegen die Roadtrains, die hier mit 110 km/h durchdonnern. Als ich auf einem Parkplatz halte, stellt sich einer direkt neben mich. Wow, wie klein der Bulli da aussieht!

Meine erste größere Pause mit Mittagssnack mache ich im Billabong-Roadhouse. Es gibt ein Hotdog mit einer quietschroten Wurst ;-) – schmeckt aber ganz gut. Die zweite Pause verbringe ich auf einem Lookout – der einzige Hügel weit und breit mit einer tollen Sicht übers weite Steppenland bis zur Shark Bay. Großartig! Hier lässt es sich auskuppeln und die Gedanken schweifen lassen …

Um halb vier komme ich dann in Carnarvon an und stehe plötzlich in dem gepflegten Hafenbecken des Gascoyne-Rivers. Eine nette Kleinstadt ist das hier mit einer wundervollen Uferpromenade und schönem Sumpfland rundherum. Meine Fahrt bringt mich noch bis an die Flussmündung und den Strand auf der gegenüberliegenden Seite, das Babbage Island, wo auch der One Mile Jetty ist, eine alte Landungsbrücke, die allerdings inzwischen ausgedient hat. Einige der Holzbohlen scheinen mir aber noch aus der Ursprungszeit zu stammen, auch die Gleise sehen alt aus. Früher fuhr hier eine kleine Lok mit Transportwägen drauf um die Waren vom Schiff an Land zu bringen.

Weite Sandbänke liegen zwischen Meer und Flussmündung und geben ein schönes Bild ab. Ein älteres Ehepaar, das hier gefischt hat, erklärt mir, dass es hier Delfine, Schildkröten und Pelikane zu sehen gibt – wenn ich Glück habe. Ich bin auch so glücklich an diesem wundervollen Platz meinen Tag abzurunden und genieße den Ausblick!

Jetzt noch zum Caravanpark, der schon geschlossen hat, aber vertrauensvoll Schlüssel und Zugang gewährt, wenn man einen Umschlag mit Geld und der Registrierung in einen Briefkasten wirft. Gesagt, getan und schon habe ich einen wundervollen Stellplatz mit Sonnenuntergangswärme. Höchst erfreut bin ich über die komfortablen Waschhäuser. Hier hat man praktisch sein eigenes Bad mit allem was dazu gehört! Perfekt um den Staub des Tages abzuwaschen und sich für den neuen Tag zu rüsten! Gute Nacht Nord-West-Australien. Morgen geht´s an den für mich nördlichsten Punkt meines Roadtrips!

 

Donnerstag, 12. Mai

Heute steht die letzte Etappe bis zu meinem nördlichsten Ziel an. Von Carnarvon nach Exmouth. 370 km und ein Abstecher von 50 km (und zurück). Ich starte nach einem leckeren Cappuccino und einer Vollbetankung um 9 Uhr. Es geht endlos durch weites Buschland, wobei die Büsche noch niedriger, krüppeliger werden. Wüste ist das hier mit etwas Dürrevegetation und einer unglaublichen Farbenpracht durch die rote Erde! Es ist gar nicht weit hinter Carnarvon als die Straße nach links abzweigt zu den Blow Holes und Point Quobba. Es geht auch hier durch endloses Buschland allerdings liegen in der Ferne die Dünen und eine Hügelkette. Und plötzlich fahre ich auf eine endlose rote Fläche zu! Es ist der Lake Macleod, allerdings in Trockenversion. Genauso wie alle Creeks und River ausgetrocknet sind, ist auch hier kein Fitzelchen Wasser weit und breit! Hier, auf diesem riesigen See, wird Salz gewonnen, habe ich nachgelesen. Mir gefällt diese weite rote Fläche. Wie auf dem Mond (?!).

Nach etwa 50 km kommt ein Leuchtturm in Sicht. Point Quobba und die Blowingholes. Ich parek das Auto, wie immer bin ich eine der wenigen hier, und ziehe mir meine festen Schuhe an, denn es sieht aus als wären es spitze Gesteinsformationen hier. Schon von weitem sind die Wasserfontänen zu sehen. Bestimmt 20 Meter schießt das Wasser in die Luft! Die rötlichen Felsen sind in Terrassenform zum Meer hin abgestuft und auf einer dieser Terrassen haben sich von unten Löcher gebildet, durch die das Wasser hindurchschießt und in die Luft katapultiert wird! Ein großartiges Spektakel mit kräftigen Fontänen, Sprühnebel und – ja – Regenbögen, die sich darin bilden! Drei Farben Schönheit – der rote Stein, das türkise Wasser und die weiße Gischt – bekommen einen farbenfrohe Heiligenschein! Unfassbar fotogen verschieße ich wieder mal zig Fotos und freue mich an diesem Naturphänomen.

Ein Stück weiter liegt Quobba Point, eine kleine Halbinsel mit angrenzendem Strand, der eine Insel vorgelagert ist. Dazwischen glasklares, türkises Wasser in dem ich sogar von der Klippe aus mit bloßen Augen Korallen und bunte Fische sehen kann. Zum roten Stein gesellt sich hier noch der gelbe Sand. Inzwischen meine Lieblings-Farbkomposition.

Nach einer ausgiebigen Pause geht es weiter „on the road“ – Kilometer um Kilometer durch zweitöniges Buschland mit wenig Abwechslung. Zwischendrin halte ich an einem Rastplatz und mache mein Mittags-Picknick. Ein einziges Rasthaus ist auf den 300 km bis Exmouth und ich gönne mir einen Cafe.

Irgendwann dann … ich rausche praktisch dran vorbei – überquere ich den Wendekreis des Steinbocks. Ab heute bin ich also offiziell in den Tropen!

Nach dem Abzweig vom Highway Richtung Exmouth ändert sich die Landschaft plötzlich. Es tauchen rote Hügelchen oder Steine auf… hineingesprenkelt in die Lnadschaft. Ich denke – so was wie die Pinnacles? – Aber nein! Weit gefehlt – es sind riesige Termitenhügel, die sich über die Landschaft verteilen und ihr ein „Pickelgesicht“ verleihen. Faszinierend!

Unendlichkeiten später lande ich in Exmouth und schwenke als erstes ein zum Visitor-Center. Den Rat gab mir Dani und das war gut so! Hier erfahre ich alles, was nötig ist für den Cape Range National Park. Campgrounds sind heute alle belegt, buchen kann ich online. Übernachten kann ich heute noch kurz vor dem Parkeingang auf dem Yardie Homestead Caravanpark. Und ich nutze die Gelegenheit gleich, meine Whaleshark-Exkursion zu buchen! Yeah – das wohl größte Abenteuer meiner Reise bisher! Einen Campground im Park reserviere ich mir auch gleich noch online für morgen Nacht – hier wo ich noch Netz habe. Im Park bin ich offline!

Am Vlamingh Head Lighthouse mache ich meinen nächsten Stop … den Blick wieder auf´s Meer gerichtet am Turtle Hunters Beach. Dann geht´s geradewegs zum Caravanpark, einchecken für die Nacht. Die ersten Kängurus sind schon am Straßenrand unterwegs, kleine sind es hier … sogenannte Wallabies. Nach dem Checkin mache ich mich noch mal auf den Weg zum Strand – es gilt ja den Brauch des Sonnenuntergangs-Biers zu erhalten ;-) – so sei es!

 

Freitag, 13. Mai

Ich bin im Cape Range National Park – ein Küstenstreifen zwischen zerklüfteten roten Felszügen und Meer mit den unterschiedlichsten Strandformationen. Überall hoppeln Kängurus herum, hier auch wieder Große. Einmal nehme ich eine Abkürzung durch einen ausgetrockneten Creek und erschrecke ordentlich, als sich vor mir ein Känguruh aufrichtet. Es hatte wohl unter den Büschen geruht und ich habe es mindestens genauso erschreckt.

Insgesamt geht es 50 km gen Süden und ich nehme jeden Abstecher zum Meer. Von der Mangrove Bay zur T-Bone-Bay, Lakeside, Trealla, bis zur Turquoise Bay. Wow – diese Bucht macht ihrem Namen alle Ehre. Hier ist einer der Schnorchel-Hotspots, neben der benachbarten Oyster Bay. Doch heute ist bewölkt, deshalb beschließe ich den Tag den National Park zu entdecken, etwas die Strände abzulaufen und zum Yardie Creek zu fahren, wo es einen Wanderweg in oberhalb des Canyon gibt. Doch vorher relaxe ich noch in der Sandy Bay, einem Traumstrand – und so wie die anderen – leer … Und als ich so entlang wandere an der langen Bay, streckt doch glatt eine Schildkröte keine 5 Meter von mir entfernt ihren Kopf aus dem Wasser! Durch das klare Wasser kann ich sie sehen, beobachten und folge ihr und sie schaut immer mal wieder raus. Welch ein Erlebnis!

Der Natur-Trail am Yardie Creek ist anspruchsvoll. Es geht durch Schluchten – hinunter und wieder hinauf – über Geröll und Steine. Doch der Aufstieg lohnt sich! Die Aussicht in den roten Canyon ist phänomenal, ebenso der Blick den Fluss entlang bis zum Meer. Zurück am Strand erwandere ich noch die Flussmündung, die auch hier mit Sandbänken durchzogen ist. Wunderschön.

Mein Campground, den ich bereits in Exmouth gebucht hatte, liegt etwa auf der Hälfte des Weges zurück: North Kurrajong. Dennie – die Campground-Host begrüßt mich und läd mich auf ein Glas Wein später zum Sonnenuntergang ein. Doch erstmal richte ich mich hier auf diesem einfachen Campground ein und wandere noch ein Stück den Strand hinunter, an dem Fischer wieder ihr Abendessen fangen.

Dann wird es Zeit für das obligatorische Sunset-Radler. Und diesmal – dank Wolken – gibt es einen fantastischen Sonnenuntergang, der gegenüberliegend begleitet wird von einem farbenprächtigen Regenbogen! Das Licht ist großartig, das Farbenspiel übertrifft alles, was ich bisher erlebt habe. Welch ein Geschenk hier am nördlichsten Punkt meines Roadtrips!

 

Samstag, 14. Mai

Ich habe wunderbar geschlafen, her draußen auf dem Campground im wilden Westen ;-). Es war ganz still nachts! Ich bin mal raus auf die Toilette, da hoppelten die Kängurus rum. Hat mich etwas erschreckt, weil ich sie erstmal nicht sehen konnte …. aber dann. Ja, das ist es halt, was es auch ausmacht!

Es ist halb acht als ich aufwache, die Sonne ist schon über den Hügeln aufgegangen. Gemütlich bereite ich mir mein Frühstück und genieße es mit Blick auf´s Meer und lausche dem Donnern der Wellen weit draußen am Außenriff. Ja, genau – das hier ist das Korallenriff auf der anderen Seite von Australien. Hier wird getaucht, geschnorchelt und gefischt. Die Korallen sind zwar nicht so farbenfroh wie ich es vom Great Barrier Reef oder von den Malediven kenne, aber die Fische sind genauso bunt und farbenprächtig – so sagte man mir – ich werde es heute erleben!

Gemütlich packe ich zusammen, verabschiede mich von den Nachbarn und dem Campground-Host und fahren zur Turquoise Bay and Drift. Hier gibt es zwei Strände, an denen es sich prächtig schnorcheln lässt – und das ist heute der Plan. Der eine ist ganz ruhig, praktisch eine Badewanne in türkis mit weißen Sand. Der andere ist nicht minder türkis und weiß, aber mit einer Drift, einer Strömung versehen und einigen Korallenbänken in Strandnähe! Und da geht es hin… man läuft den Strand ein Stück runter, geht ins Wasser und lässt sich driften! Genial – allerdings darf man schon achtgeben, dass man nicht zu weit raus und vor allem nicht in den Strömungskanal zwischen den beiden Stränden gerät. Dennie, mein Campground-Host hatte gestern noch erzählt, dass letzte Woche jemand hinausgezogen worden ist. Phuuuu … da schlagen meine inneren Alarmglocken an. Und darüber hinaus weiß ich ja, dass man nicht alleine rausschnorcheln soll, sondern immer einen Buddy dabei haben muss. Als ich also ins Wasser gehe schließe ich mich einer Vierer-Gruppe an für den ersten Schnorchelgang. Just in Case. Doch bald schon verliere ich den Anschluss, denn auch hier bin ich – wie auch sonst – eher langsam, schaue zweimal hin, drehe noch mal um etc… Na ja. Jetzt hab ich schon ein Gefühl für die Strömung und Orientierung. In den nächsten 3 Stunden wiederhole ich dieses Driften noch dreimal und zwischendrin gehe ich einfach plantschen, so wie die Kids rundrum auch. Am lustigsten ist, wenn die Fische mich beäugen … und ich sie. Sozusagen gegenseitiges Bestaunen ;-)

Schwärme von weißen, fast durchsichtigen Fischen umschwirren mich, große Barsche queren, kleine gestreifte, blaue und grüne schwirren zwischen den Korallen, ein Papageienfisch kreuzt meinen Drift. Und ein kleiner Riffhai und eine Wasserschildkröte durfte ich auch sehen… es ist bei weitem nicht so üppig wie auf Angaga/Malediven (da bin ich echt verwöhnt worden!), aber es macht Spaß!

Um 14.00 Uhr breche ich auf. Es gilt noch 200 km bis Coral Bay zu fahren. Campingplatz ist bereits vorgebucht. Mit einem Zwischenhalt zu Cafe und Kuchen in Exmouth geht´s also „on the road again“. Pünktlich zum Sonnenuntergang bin ich auch hier eingecheckt, habe mich eingerichtet und stehe auf der Sunset-Düne der Sonne zur Nacht winken …

 

Sonntag 15. Mai

Ich hatte gestern schon beschlossen noch eine Nacht hier dranzuhängen. Denn … morgen mache ich eine Exkursion: Schnorcheln und schwimmen mit Whalesharks! Eigentlich sollte dies heute stattfinden, doch es wurde wegen Wetter und mangelnder Beteiligung auf Montag gelegt. So habe ich heute einen Ruhetag. Gut so, denn es sind einige Dinge aufgelaufen, die ich erledigen und abarbeiten will. Und prompt ist mein Telstra-Guthaben (Telefonie und Internet) leer … also – erstmal „Rechargen“ und dann kann´s weitergehen.

Ich genieße den Tag am Strand mit Hörbüchern, Sonnenbaden und Schwimmen in der türkisen Bucht. Und natürlich dem obligatorischen Sunset … danach wird gekocht… es gbit Strammen Max aus der Campingküche. Langsam wird ich zum Camping-Kochprofi. Heute ist das dritte Mal in Folge ;-) meist gibt es allerdings Nudeln mit Thunfisch oder Pasta-Sugo aus Tomaten und was ich sonst so finde ;-). Was mir auf Reisen hier fehlt ist definitiv frisches Gemüse oder Salate. Die sind hier im Supermarkt (sofern überhaupt einer vorhanden) eher nicht bis spärlich vorhanden.

 

Montag, 16. Mai

Ich habe schlecht geschlafen … die Aufregung vor dem anstehenden Erlebnis hat mich unruhig sein lassen. Schnorcheln mit Whalesharks! Ich war noch nie im offenen Meer schnorcheln und schon gar nicht mit Tieren die bis zu 5 x so groß werden können, wie ich selbst bin! Klar hat mir jeder gesagt … „das ist wundervoll, du wirst es genießen, einmalig …“ – ja, ja, meine Quatschies (inneren Kritiker) haben da ihre eigene Meinung dazu (siehe auch meinen Beitrag … 2 Tage im…). Um halb sieben steh ich auf, mache mir ein Frühstück (das ist übrigens immer noch das selbe, was ich auch zu Hause genieße) und einen starken Cafe. Um halb acht bin ich am Büro der Ecotours. Wir sind eine Truppe von 20 Leuten (es dürfen immer nur 10 Menschen gleichzeitg am Whaleshark sein aus Schutzgründen! Ich finde das Klasse, dass hier achtgegeben und nicht auf Biegen und Brechen ausgebeutet wird.). Was mir immer wieder auffällt: Alle Menschen, die ich hier auf Reisen treffe, sind entweder über 65/70 Jahre oder jung so zwischen 25 und max. 35 Jahren… meine Altersgruppe fehlt komplett. Liegt wohl daran, dass die eben im Arbeitsleben eingespannt sind. Ich unterhalte mich mit einem Papa und Sohn aus der Schweiz, die hier seit 4 Jahren in Melbourne leben und in 8 Wochen in die Schweiz zurückkehren (wie mag es denen wohl ergehen in dem kleinen Ländle nach diesen Erfahrungen hier???). Vater und Sohn machen eine Abschlussreise von Melbourne nach Darwin. Großartig! Der Kleine ist etwa 12 Jahre alt und ihm wird leider schlecht… aber hart im Nehmen wie er ist geht er fast jeden Schnorchelgang mit raus.

Zum Üben und ausprobieren der Ausrüstung gehen wir erstmal in den Korallen schnorcheln und gucken viele bunte Fische und eine Schildkröte kreuzt unseren Weg. Alles klappt prima, das Team, das uns begleitet (ausnahmslos Frauen) ist sehr professionell, achtet auf uns und hält uns beisammen. Ich fühle mich sicher unter dieser professionellen Führung. Noch sind wir im Innenriff mit kaum Wellengang und dem sichtbaren Boden unter uns …

Zurück auf dem Boot kommt dann der Ruf: Whaleshark gesichtet! Es geht los – das Boot braust raus aus dem Riff ins offene Meer. Etwa eine Stunde später erreichen wir die Sichtungsstelle. Übrigens werden die Sichtungen von Flugzeugen übernommen, die dann an die Boote melden. Heute sind es insgesamt nur 2 Boote – gut so! Ich weiß ja nicht, ob sich sonst um die Sharks gedrängelt wird. Wir kriegen noch eine Sicherheitseinweisung (nicht mehr als 3 Meter ran an der Seite, an der Schwanzflosse sollen wir 4 Meter Abstand halten, nicht vorne herum um den Shark schwimmen, sondern stets hintenrum).

Und los geht´s in 2 Gruppen. Ich bin in der zweiten und mein herz klopft so laut, dass ich es selbst in den Ohren hören kann. Wir sitzen allesamt hinten auf der Rampe und auf Kommando gehen wir rein ins Wasser. Es hat ordentlichen Wellengang und unter mir tiefes Dunkel … doch es ist alles vergessen in dem Moment, als ich das majestätische Tier erblicke. Er schwimmt direkt an uns vorbei und ich ziehe gleichauf mit seinen Seitenflossen. Nichts ist mehr da, nichts mehr im Kopf, alles ist stumm in mir, nur die Tränen steigen mir auf vor völliger Überwältigung! Es ist einfach großartig, unfassbar schön, wie dieses gepunktete Riesentier friedlich durch das Wasser gleitet, sein riesiges Maul aufklappt um Plankton aufzunehmen. Ganz gemach schwimmt er dahin und ich bin an seiner Seite, kann ihn in Ruhe betrachten, seine Schönheit, seine Anmut, seine Friedfertigkeit… Dann kommt die Fotografin von der Seite und knips – ein Foto … ich bin gespannt!

Ich lasse mich etwas zurückfallen, die anderen Schnorchler der Gruppe vorbeiziehen und wechsle hinter der riesigen Schwanzflosse die Seite, die wundervollen Kiemenbögen, das Fleckenmuster im Sonnenlicht, welch ein Anblick! Dieser männliche Whaleshark ist lau Aussage der Crew 11 Meter lang!

Ich weiß nicht wie lange wir da drin waren, aber irgendwann kommt das Kommando zum sammeln und wir gehen zurück an Bord (das war übrigens eine meiner größeren Herausforderungen wieder auf die Rampe zu kommen – aber nicht nur für mich ;-)) – auch jüngere Mitschnorchler haben sich ganz schön angestellt…).

Das ganze wiederholt sich insgesamt viermal bei 3 verschiedenen Tieren. Der letzte ist ein junges Männchen, etwa 7 Meter lang, etwas gedrungener und – schneller! Da durfte ich ganz schön paddeln um mitzukommen. Was für ein Erlebnis!

Nach etwa 4 Stunden draußen auf dem offenen Meer, geht es zurück ins Innenriff. Wir sind lange gefahren – ich hatte keine Ahnung wie weit draußen wir warn und wie weit nördlicher – ich vermute auf Höhe des Cape Range National Parks, wo ich die letzten Tage verbracht habe. Im Innenriff gehen wir nochmals ins Wasser. Hier ist eine starke Strömung und wunderschöne – hier auch farbigeren – Korallen mit vielen bunten Fischen, Moränen, einem Riffhai. Ich folge der Fotografin, denn sie findet immer wieder besondere Fotomotive, taucht hinunter und fotografiert sie. Extravagante Fische, wunderschöne, blühende Korallengeäste oder auch riesige, runde, hirnförmige Korallenstöcke, auf die sie mich auch direkt aufmerksam macht.

Glücklich und total ko geht´s zurück an Bord. Das ist ganz schön anstrengend gewesen, merke ich jetzt! Arme und Beine sind lahm und ich fröstle trotz Neopren-Anzug… Eine Stunde später sind wir zurück im Hafen und ich sitze noch lange bis ich wirklich gehen kann – noch immer tief berührt mit Tränen in den Augen danke ich noch einmal dem Team … und wandle wie auf Wolken zurück zum Campingplatz.

Das war mit Sicherheit die größte Wildlife-Erfahrung meines Lebens! Welch wundervolle Geschöpfe Mutter Erde uns doch geschenkt hat. Gut, dass sie hier Schutz finden! Und Australien alles dafür tut, dass die Natur und der Ozean erhalten bleiben. Die Tourismuseinnahmen gehen nämlich in den Schutz der Naturparks und der vielen Weltnaturerbe, die es hier gibt! Jeden Cent wert!!!

 

Dienstag, 17. Mai

Ich will früh los heute … ein weite Autofahrt steht bevor mit über 550 km in die Shark Bay. Um 7.30 Uhr also ab auf die Straße erstmal wieder raus aus der Bay auf den Highway, dann immer geradeaus durchs Outback! Mein Hörbuch lässt die Zeit im Fluge vergehen und schon ist die Kreuzung zur Shark Bay erreicht und ich darf wieder ungewöhnliche Landschaften und Sightseeings erleben. Als erstes biege ich ab zum Hamelin Pool, wo die Stromatoliten ihr Dasein fristen. Hier handelt es sich um eine Bakterienform und zwar die älteste Lebensform der Welt! Sie schlammen und schlicken hier ungewöhnliche Formen in einem extrem salzhaltigen Wasser. Die Shark Bay ist eine von Seegras bewachsende Bucht, die den Zu- und Abstrom von Wasser verändert, deshalb gibt es Buchten, die bis zu 3 mal mehr Salzgehalt haben als der Ozean selbst! Dazu kommt eine permanente Wasserknappheit mangels Regen. Das fördert auch ungewöhnliche Lebensformen. In den Seegrasflächen weiden die Seekühe, die Dungongs (habe ich keine gesehen) und eine ganze Menge anderes Getier.

Mein zweiter Halt ist der Shell Beach, ein Strand der ausschließlich aus kleinen Muscheln besteht! Von weitem sieht es genauso aus wie Sand, aber beim genauen Hingucken – alles Muscheln! Gut, dass ich meine Flip-Flops anhabe… das stachelt nämlich ganz schön.

Als nächstes verlockt der Eagle Bluff Outlook … ein auf der Klippe gelegener Ausblick, der Einblicke gewährt in das glasklare Wasser … und prompt sehe ich von 50 Metern Höge Wasserschildkröten im unter mir liegenden Meer. Wow! Die kleine Insel vor den Klippen ist eine Vogelnistinsel, hier haben schon die Aborigines Vogeleier gesammelt.

Nach nochmals einigen vielen Kilometern an türkisfarbenen Buchten, roten Abhängen und weißen Stränden lande ich in Denham, dem Hauptort der Sharkbay. Ich fahre heute aber nur durch, denn ich will nach Monkey Mia, einem Hotspot hier – unter anderem wegen der Delphine, die hier täglich an den Strand kommen. Es gibt ein kleines Resort hier und einen Campingplatz mit Shop und Restaurant und einer wunderschönen Uferanlage und kleinem Hafen. Ja, hier lässt sich´s aushalten!

Am Abend in der Bar habe ich sehr nette Gespräche und bekomme tolle Tipps für meine Weiterreise von dem Ehepaar Jenny und Richard, sowie Patrick, der mich auch noch zum Bier einlädt. Wundervoll!

 

Mittwoch, 18. Mai

Um 7.45 Uhr kommen die Delphine, also raus aus dem Bett, Cafe gemacht und ein kleines Frühstück eingeworfen – hoppla! Da hab ich doch glatt „Mitesser“! Zwei Emus rücken an und bedrängeln mich so sehr, dass ich ins Auto flüchte… ja, ja, lach du nur …. ich will nicht wissen, wie du dich verhalten hättest. Diese Viecher sind nicht ohne mit ihrem kräftigen Schnabel!

Dann erlebe ich eine bewegende Begegnung mit den Delphinen am Strand. Sie kommen hier mehrmals täglich vorbei – und das bereits seit Urzeiten (schon die Aborigines erzählten davon)! Natürlich ist das eine Attraktion – aber unter besten Bedingungen. Sie werden hier nicht satt gefüttert und vom Menschen abhängig gemacht, es ist eher ein Spiel das hier zwischen Mensch und Tier statfindet. Delphine sind ja neugierig und interessiert und deshalb kommen sie gerne, heben den Kopf aus dem Wasser und beäugen die am Strand in einer Linie stehenden Menschen … und andersrum. Ich finde sie lächeln oder lachen sogar … wahrscheinlich sehen wir für sie eben einfach komisch aus. Dazwischen schiebt sich immer wieder ein frecher Pelikan, der auch seine Aufmerksamkeit ergattern will. Sehr nett … Eifersüchteleien unter Tieren ;-)

Dann mache ich mich auf einen Rundweg durch die Landschaft und laufe erstmal den Strand entlang, der mit seinen Sandbänken und Lagunen interessant geformt ist. Außer Fußabdrücken von Menschen und einigen Fahrspuren von Offroadern fallen mir die vielen Emuspuren im Sand auf! Und prompt kommt wieder eine kleine Herde (Mama und drei Kinder würde ich sagen) ums Eck gebogen. Ich laufe auf eine roten Klippenlandschaft zu und suche noch immer nach dem Abzweig in den Rundweg, doch der will sich mir einfach nicht erschließen. Da ich hier an den roten Hängen am Strand nicht weiterkomme, beschließe ich eine kleine Schlucht hinauszugehen und im Bogen zurück zum Ausgangspunkt …. und lande mitten im Busch! Und das mit Flip-Flops! Großartig – und keine gute Idee… Was ich natürlich a) selber weiß (Gefahr von Schlangen etc) und b) sehr schnell zu spüren bekomme, denn das Buschland ist dornig und abweisend. Nicht nur die Büsche selbst sind stachelig, auf dem Boden liegen auch kleine runde Schoten, die extrem spitze Stacheln haben und sich tief durch die Gummi-Sohlen bis in den Fuß bohren. Tja – mitgehangen… also durch. Ich Laufe auf Känguru-Trampelpfaden auf roter Erde im weiten Bogen durch das Buschland. Wunderschön ist es hier. Hie und da erschrecke ich Kängurus (und sie mich) oder scheuche Vögel auf, u.a. einen wunderschönen Falken. Und irgendwann, ja, lande ich auf dem eigentlich gesuchten Weg! Ich war schlichtweg viel zu weit am Strand entlang gelaufen. Unten am Strand entferne ich erstmal meine aufgedoppelte Sohle aus Dornen (und bekomme natürlich bei weitem nicht alle Dornen zu fassen … da habe ich heute noch Feinstmechanikerarbeit mit Pinzette vor mir!) und mache mich auf den Rückweg zurück zum Auto. Geschafft!

Gemütlich fahre ich durch die schöne Landschaft zurück Richtung Denham, wo ich heute Nacht bleiben werden und mache ich noch einen ausgiebigen Spaziergang an der Little Lagoon und ihrem Zulauf vom Meer her. Ein gemütlicher Tag mit Ausklang in Denham … und morgen geht´s weiter Richtung Süden. Der Countdown ist angezählt… in 4 Tagen bin ich wohl zurück in Perth.

 

Donnerstag, 19. Mai

Früh geht´s los gen Süden. Mein nächster und wohl letzter National Park (ich glaube es waren sieben auf dem Nordtrip) ist der Kalbarri Nationalpark. Hier fließt der Murchison River hindurch und hat wilde Schluchten gegraben und mündet dann in dem Örtchen Kalbarri ins Meer. Die Fahrt läuft wunderbar. I Billabong Roadhouse mache ich wieder Rast. Die Bedienung erinnert sich sogar noch an mich! Wir kommen ins reden und … siehe da, sie ist Deutsche! Seit zwei Jahren tourt sie durch Neuseeland und Australien mit Work and Travel. Sehr lustig – hier im Nirgendwo ;-)

Irgendwann kommt die Abbiegung nach Kalbarri – und kurz darauf auch zu den ersten beiden Aussichtpunkten: Ross Graham Outlook und Hawks Head. Beides Mal sind es Blicke in die Schlucht des Murchison Rivers, der allerdings derzeit eher mager dahindümpelt. Doch die hohen roten und gefurchten Wänd erzählen natürlich andere Geschichten …. beim ersten Halt wandere ich hinunter bis ans Ufer und lausche den Geräuschen … schöne Vogelstimmen, das Rauschen des Blattwerks und gluckern des Flusses.

Als ich wieder losfahre, verdunkelt sich der Himmel. Dramatische Wolkenstimmungen umgeben mich! Sehr passend zu der hier ganz anderen Vegetation! Das Buschland ist verschwunden, hier sind es entweder Grasbuschen, die ganze Flächen bedecken oder Nadelbaumgewächse in der Art von Thujas. Eine sehr eindrucksvolle Landschaft, leicht hügelig und dicht bewachsen, dasrüber die Wolkendramaturgie – ich bleibe wieder einmal etliche Male stehen und genieße. Den Abzweig zum Loop nehme ich zwar, fahre aber dann nicht zum Natural Window, weil es eine unbefestigte Straße ist… das würde Lori, der Campervan sicher nicht mögen, denn es sind Bodenwellen drin vom Feinsten! Dafür werde ich aber mit einer schönen Vegetation belohnt! Nach dem Regen hier ist vieles grün und manches blüht – ich erfreue mich an den ungewöhnlichen Farben und Formen von Blüten und Fruchtständen.

Ein weiterer Abzweig führt zum Meanarra Hill, wo ich eine fantastische Aussicht genieße, zum einen in den Park und die Sanddünen auf der anderen Seite des Flusses (nur für 4 Wheel Drive Autos möglich) und gleichzeitig auf Kalbarra, das Örtchen an der Flussmündung und dem Meer. Da bleibe ich heute und morgen … Und als ich wieder gehen will kommen mir Jenny und Richard aus Monkey Mia entgegen! Ein schönes Wiedersehen! Sie wollen weiterfahren, ich bleibe in dem schönen Caravanpark direkt am Strand.

Dann mache ich mich zu Fuß den Strand entlang auf den Weg, lasse die Beine sich auslaufen und genieße dann den Sonnenuntergang auf den Dünen. Ein großartiger Tag, der mir den Himmel in vielen Facetten geschenkt hat und zum Schluß einen perfekten Sonnenuntergang!

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