Faszination Hongkong

Nun sind die guten drei Wochen China schon fast wieder rum und das, was ich sehen durfte hat mich begeistert: Beijing war großartig, ganz und gar andersartig, die Besteigung der Großen Mauer – unvergesslich! Shanghai hat mich geblendet in seinem Prunk und Protz. Die Landschaften in den Bergen – Dragon Mountains und die Reisterrassen – sehen zu dürfen, erleben zu können – das waren für mich „once in a lifetime“ Eindrücke! Und doch … ich bin froh jetzt nach Hongkong zu kommen. Warum? Nun – das hat ganz viel mit den Menschen in China zu tun und ich denke mir, dass Hongkong eben wieder ganz anders ist!

  1. März

Hongkong – welch faszinierende, multikulturelle, lebendige Stadt. Bunt und grau, eng und hoch, weit und kleinteilig … alles in einer vielfältigen Mischung und ganz nah beisammen.

Ich fahre mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel. Das mach ich gern, denn da bekomme ich schon mal einen ersten Eindruck – sowohl optisch, wie auch vom Verhalten z.B. im Straßenverkehr… ein erstes Reinschnuppern… Es geht über riesige Brücken nach Zentral-Hongkong, mein Hotel liegt nahe dem Hong Kong Coliseum. Schnell eingecheckt und gleich wieder los.

Über breite, überdachte Fußgängerbrücken laufe ich bequem oberhalb der Straßen Richtung Victoria Harbour und lande gleich mal direkt in der Bar-Street… prima, denn es ist Zeit für einen Cappuccino und einen Happen zu Essen. Dieses quirlige Treiben, die bunten Schilderwälder an den Straßen, enge Gassen durch hohe Häuser, kleine umtriebige Plätze und Märkte und natürlich Shopping-Malls aller Kategorien säumen meinen Weg. Es herrscht hier eine ganz andere Atmosphäre als in Festland-China! An den Bushaltestellen wird „ge-queuet“, wenn jemand dich aus Versehen anrempelt kommt sofort eine Entschuldigung, man geht sich höflich aus dem Weg und es wird natürlich englisch gesprochen. Da spürt man eben noch die englische Vergangenheit und man kann sie auch sehen an so manchem kolonialen Gebäude, das sich zwischen den Wolkenkratzern und Hochäusern reinduckt.

Mein Ziel heute Abend: Der Clocktower am Victoria Harbour, denn täglich um 20 Uhr findet hier auf der Tsim Sha Tsui Promenade (so was wie The Bund in Shanghai) die Symphony of Lights statt, eine Laser- und Lichtshow an der gegenüberliegenden Hafen-Skyline auf Hongkong Island. Am Museum of Art entlang schlängle ich mich vor zur Promenade und wow! Was für ein Anblick (und das trotz des Nebels, der Hongkong dieser Tage umfängt). Die Promenade füllt sich schon, es herrscht eine lockere fröhliche Atmosphäre. Ich fühl mich pdelwohl hier unter der bunten Mischung Menschen aus aller Welt und genieße die halbstündige Show mit Musik.

Auf dem Rückweg, der mich wiederum kreuz mal quer staunend durch die Straßen führt entdecke ich „Brotzeit“! Unfassbar – Leberkäs und Schweinshaxen mitten in Hongkong … na da verzichte ich heute mal auf kulinarisches Lokalkolorit und genieße bayrisches Bier und Brotzeit ;-))

 

  1. März

Heute Vormittag habe ich mir eine Tour gegönnt… mit Guide. In einem kleinen Bus geht es mit 8 anderen Gästen aus Australien und England und unter lebendigen Erzählungen unseres Guides Yuka erstmal nach draußen. Durch den Harbour Tunnel hindurch auf Hongkong Island weiter bis Stanley… vorbei an Buchten, die mit schmalen hohen Appartementhochhäusern bebaut sind, vorbei an riesigen, hochherrschaftlichen Villen und parkänlichen Grundstücken. Hier wohnen die Reichen erzählt Yuka, natürlich bewacht und gesichert, sie fahren „fancy“ Autos – und hier kommen die Hongkonger hin (und zwar mit dem Bus), wenn sie Ferien haben und am Wochenende! Hier ist Erholungsgebiet für alle – schöne Strände, grüne Berge, der Ocean Park – ein Vergnügungspark, der per Seilbahn horizontal am Berg entlang umrundet wird. Und hier ist Stanley Market, wo alles günstig ist – vor allem Klamotten, aber auch Alltagsgebrauchsgüter.

10% Honkonger besitzen ein Auto, die restlichen 90% nutzen das hervorragend ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz. Da Platz bekanntlich Mangelware ist, sind Straßen, Fußgängerwege und Subway in Ebenen übereinander gebaut, die Häuser sind allesamt schmal, dafür umso höher! Und wer hier draußen wohnt muss reich sein, denn die Preise sind exorbitant! Für eine Wohnung in einem „Oceanview“-Appartementhaus legst du Millionen, wenn nicht Billionen hin. Normale Familien teilen sich 50 qm mit bis zu 6 Personen. Es wird zusammengerückt, die Elterngeneration des Mannes nimmt die Ehefrau mit auf und die (Enkel)-Kinder wachsen da dann eben mit hinein… mehr ist einfach nicht bezahlbar. Yuka erzählt ein wenig, wie viel Rücksichtnahme es da braucht. Kann ich mir vorstellen (und erklärt vielleicht auch, warum Hongkongchinesen so anders sind, eben rücksichtvoll! – im Vergleich zu den Festlandchinesen). Übrigens weil ich grad beim Thema bin… Die Hongkong-Chinesen mögen die Festlandchinesen nicht – und zwar aus dem gleichen Grund wie ich (siehe Blogbeitrag „Ich will wieder nach Hause!“). Sie sind laut, rücksichtslos, ungezogen sagt sie und fügt hinzu, dass sie vielleicht Umgangsformen lernen werden, wenn sie mehr reisen … na das werden wir ja dann sehen… Hongkong-Chinesen und Festlandchinesen verstehen sich nicht einmal! Sie sprechen andere Sprachen, wobei die Schriftsprache die gleiche ist, jedoch die Aussprache so unterschiedlich, dass sie sich gegenseitig nicht verstehen.

Von Stanley geht´s weiter nach Aberdeen Harbour, ein Hafen, der sich in den letzten 20 Jahren von der Größe her halbiert hat. Hier wird Land gewonnen für mehr hohe Häuser ;-). Der Hafen ist etwas besonderes, denn hier leben die noch übrigen Boatpeople, eine langsam verschwindende Völkergruppe. Manche dieser Boatpeople haben noch nie in ihrem Leben den Fuß auf festes Land gesetzt und sie sind scheu, wollen ihre Ruhe haben. Wir fahren mit einem Böötchen durch den Hafen. Die Fischkutter unterschiedlichster Größen und Zustände liegen neben den Yachten der reichen Appartmenthausbewohner, riesige einladende Floating Restaurants im alten Stil heben sich markant ab von den dahinterliegenden Industrie- und Wohnblöcken. Eine spannende Mischung für´s Auge. Die Boatpeople leben vom Fischfang, sie fahren oft 2-3 Monate raus zum Fischen bis nach Taiwan oder vor die Philippinen, bringen dann den Fisch hierher – allerdings dürfen sie ihn nicht frei verkaufen, er wird regierungsgesteuert auf den Markt gebracht, damit die Preise stabil bleiben.

Die nächste Station ist Victoria Peak, der Aussichtsberg der Hongkonger mit einem Wahrzeichengebäude oben drauf (das auch auf der 10 Dollar-Note abgebildet ist) und einer tollen Sicht auf Hongkong-Island … tja, wenn da nicht der Nebel wäre. Yuka erzählt, dass Hongkong durchs ganze Jahr eine enorme Luftfeuchtigkeit hat und es schon deshalb hier oben ganz oft neblig ist. Und heute sowieso… wir sehen also – nichts.

Egal, auf halber Höhe halten wir noch mal und erhaschen hier einen Blick auf die darunterliegende Stadt.

Wieder zurück auf dem Festland mache ich mich zu Fuß auf den Weg zu den Märkten und streifen zickzack durch Mongkok, das lebendige alte Einkaufsviertel mit den Häuserschluchten und bunten Reklametafeln. Vom Temple- zum Ladies zum Flowermarket… wunderbares Alltagsleben und buntes Treiben.

Mit dem Taxi fahre ich zurück nach Victoria Harbour, denn ich will rüber nach Hongkong Island ins Wirtschafts- und Finanzzentrum. Einen Token am Automaten gezogen und schon geht´s los… die Fähren fahren praktisch ständig und schon 15 Minuten später lege ich auf der anderen Seite an und laufe wiederum elevated auf den Fußgängerbrücken hinein in die nun modernen Häuserschluchten des geschäftigen Businessviertels. Und ich kann mich gar nicht genug sattsehen! Einsichten und Ausblicke, modern und alt, exklusiv und ganz einfach … alles liegt beieinander und passt ganz wunderbar in sich. Ich streife durch die Börsen- und Finanzkomplexe mit ihren edlen Fassaden und Innenausbauten, durch das Nightlife-Viertel Lan Kwai Fong mit Hunderten Bars, Restaurants und Kneipen, zur City-Hall …. bis ich nicht mehr kann… für heute habe ich genug Kilometer runtergelaufen, die Sohlen sind heiß ;-)) – ich mache mich gemütlich auf den Rückweg in dem Wissen: ich war viel zu kurz hier und ich werde garantiert wiederkommen! Hongkong, die Menschen, die Straßen, die wunderbar gewachsene Bebauung mit samt all der Baustellen hat einen festen Platz in meinem Herzen eingenommen!

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