Myanmar: der Anfang

@ meine treuen „Follower“: Bilder folgen! Leider ist das WLAN hier so schwach auf der Brust, dass ich keine Fotos hochladen kann. Ihr könnt aber gerne in Facebook schauen: facebook.com/marion.lang.12

 

Der Flug ging prima… von Abu Dhabi nach Bangkok hat mich die nette Dame vom Bodenpersonal an den Notausgang gesetzt… Great! Von Bangkok nach Myanmar wurde ich gar in die Businessclass upgegradet. Perfektes Frühstück inklusive.

Yangon am 8. und 9. Januar

Die 17 km vom Flughafen zum Hotel waren dann die erste Stadtrundfahrt… mein Fahrer Sign erklärte mir schon das eine oder andere … damit war ich schon mal am Laufenden was Größe der Stadt, Bevölkerung (50% Moslems, 50% Buddhisten) betraf und dass 75 % aller Autos in Yangon fahren… Merkt man auffallend, denn für die 17 km brauchten wir geschlagene 1,5 Stunden!

Das Hotel bestens gelegen in der Stadtmitte unweit des Stadtparks, des ehemaligen Rathauses, des Parlamentshauses und nahe beim größten Stadtmarkt…  Nach kurzem durchatmen also los – zu Fuß! Ein Abenteuer, denn der Verkehr ist mörderisch und Vorfahrt hat alles, was vier Räder hat … Zebrastreifen sind reine Dekoration! Bürgersteige sind Marktplätze … überall stehen und sitzen Menschen, bieten ihre Waren dar oder Kochen für andere, die wiederum auf Mini-Kinderstühlchen rundherum sitzen. Ein Gewutzel und Gewurle ohne gleichen… Toll! Ich lerne mich durchzuschlängeln, die Füße zu heben (Stolperschwellen gibt es en masse), und stets nach vorne zu schauen, andernfalls drohen Kollisionen mit allem was kreucht und fleucht! Ich laufe durch die lebhaften Straßen kreuz mal quer, gelange zur Christ Curch, zum hinduistischen Tempel und lande schlussendlich im Markt… wunderbares Gewirr von allerlei schön sortiert nach Themenkomplexen. Medikamente in der einen Ecke, Jade und Gold in der anderen… Den Abend verbringe ich in einer BBQ&Beer- Kneipe auf der 19. Straße im China-Viertel bei Hühnchen und Beef-Spießen mit Gemüse und – jaaa – Bier! Das Myanmar Bier ist gut (auch wenn ich bekanntlich kein Bierkenner bin…). Gerade als ich aufbrechen will gesellen sich drei Mädels zu mir, zwei Engländerinnen und eine Französin, später noch eine Norwegerin. Und schon sind wir im Gespräch, sie haben Tipps auf Lager … Rundum-Circle-Line-Fahren z.B. (dauert 3 Stunden).

Zweiter Tag in Yangon, ein Tag der krassen Gegensätze: zuerst geht´s Richtung Pagode aber vorab zum Frühstück: Fischsuppe! Erstmal hebt´s mich, aber dann … lecker! Ich mag sie – angereichert mit Koriander und Lemone … dazu grünen Tee. Dann geht´s zur Shwedagon-Pagode. Ein güldenes Monument voll von Edelsteinen und echtem Gold das „My Lord Buddha“ in allen Formen huldigt … 2 Stunden reichen keineswegs um all die Tempel und Opferstätten zu erkunden. Hier werde ich nochmals einen halben Tag verbringen… ein andermal. Danach bin ich auf die andere Uferseite gequert per Fähre und weiter mit der Rikscha… arme Fischerdörfer und ein Ärmstenviertel, allesamt Opfer des Tsunami. Man konnte dort Reis spenden für das Dorf … 2 Säcke geben jeder Familie 1 kg Reis für das Abendessen… klar, hab ich gemacht. Erstaunlich – die Menschen sind freundlich, herzlich, fröhlich – und sie haben gewiss nichts zu lachen. Aber – wird´s denn mit Jammern besser? NEIN! Ich bewundere die Menschen hier ob ihrer Fähigkeit zu improvisieren auch aus nichts etwas zu machen.

Yangon: eine Großstadt mit 7 Mio Menschen, 75% aller Autos des Landes fahren hier (oder stehen vielmehr im Stau). Das Leben findet auf der Straße statt: jeder verkauft etwas, in Tonnen brennt Kohle, darauf bruzzelt Essen … vieles davon ist mir völlig unbekannt, aber gestern Abend habe ich mutig vom Straßengrill gegessen… ist mir bestens bekommen ;-) Heute zum Frühstück gabs die traditionelle Fischsuppe. War lecker (wenn auch gewöhnungsbedürftig), Mittags typisch burmesisches Reisgedeck mit Fleisch und Gemüse.

Morgen geht´s weiter nach Lashio, Hsipaw im Shan Staat mit dem Ziel Mandalay, der Königsstadt.

Internet ist dünn… kann also sein, dass erstmal Stillschweigen entsteht… Und Bloggen geht übrigens gar nicht ;-) Ich lass hören, sobald es geht! Liebe Grüße an alle!

Sonntag 10. Januar

Abreise von Yangon, per Flugzeug vom Domestic Terminal Richtung Lashio, Zwischenstop in Hedon… Passagiere steigen aus, andere ein. Lustig… es ist eine Propeller Maschine, klein, übersichtlich… Schon am Terminal meine Verwirrung… keine Ahnung welches Gate. Aber ich habe einen Aufkleber bekommen, also suche ich mir andere Passagiere mit dem gleichen und halte mich an die. Als die aufstehen, ich also mit… Der zweimal 1 stündige Flug ist etwas ruckelig. Neben mir sitzt eine Myanmar, jung und ängstlich. Sie krallt sich bei jedem Start und jeder Landung fest an ihre Sitz… und sie will ein Foto machen von mir und ihr. Ich bin hier eben exotisch ;-)

Beim Verlassen zu Fuß den kurzen Weg zum Gebäude. Das Gepäck steht noch auf dem Rollfeld. Ich darf es nicht holen, es muss ein Einheimischer tun… ich gebe ihm meinen Gepäckschein… Vertrauen ist alles.

Ein Taxi bringt mich nach Hsipwa… einen Highway der Hölle entlang. Neben unbefestigten Rändern und Schlaglöchern ist die größte Gefahr die Unmenge an Trucks in beide Richtungen. Überholen wird zum Kamikazeunternehmen, denn die Fahrer sitzen rechts, es ist aber auch Rechtsverkehr! Sie sehen also praktisch erst was, wenn sie schon mindestens zur Hälfte auf der Gegenspur sind. Die Trucks haben Mais und Reis geladen, die bessere Qualität, und fahren diese nach China, wohin die Waren teuer verkauft werden, die Bauern selbst aber zu Bettellöhnen arbeiten und für sie nur die mindere Qualität im Land verbleibt. Es geht entlang wunderschöner Hügelketten, bewachsen mit haushohem Bambus und Teakbäumen, die hier kommerziell angepflanzt und verarbeitet werden – ebenfalls vor allem für den Export nach China. Mein Fahrer sagt mir es sind gerade mal 4 Stunden mit dem Truck an die chinesische Grenze…

Angekommen in Hsipaw lande ich in dem wunderschönen Thai-House, einer kleinen Bungalow-Anlage mitten in der Stadt und dennoch ruhig gelegen. Der Hotelchef erklärt mir die Umgebung und zeigt mir einen schönen Spazierweg. Ein junger Mann bietet sich als Guide an, ich nehme dankend an und habe schöne Gespräche und gewinne Einblicke. Chak ist 19 und wird ab nächstem Jahr englisch studieren… er zeigt mir schwarzen Sesam, erklärt mir die 3 Jahreszeiten (zur Zeit ist cold season und der Reis ist geerntet, danach kommt Mustard (für mich eine Art Mangold, schmeckt auch so) auf die Felder und am Ende der hot season wird der Reis wieder eingesetzt für die wet season).

Der sticky rice geht hauptsächlich nach China, ebenso der gelbe Mais, der weiße und schwarze Mais bleibt im Land.

In einem Shan-Dorf essen wir Shan-Suppe – großartig! Ich inspiziere das nette Dorf mit seinen auf Stelzen gebauten Holz-/Bambushäusern (auf Stelzen deshalb, weil in der wet season, der Fluß übertritt), sehe zu, wie die Wasserbüffel nach Hause gebracht werden in die Vorgärten. Fast überall brennt ein offenes Feuerchen in den Gärten auf dem gekocht wird. Hühner, Hunde und Kinder spielen auf der Straße, in den Höfen kümmern sich die Frauen um die Büffel und Schweine. Idyllisch würde man sagen… von außen betrachtet. Nach etwa 2,5 Stunden gelangen wir wieder zum Dorf direkt an der Pagode, ein schönes Gebäude, weiß und Gold steht es prachtvoll im Abendhimmel.

Ein Feierabend-Bier und ein wenig schreiben… schön hier auf meiner kleinen Terrasse… übrigens – so warm es tagsüber (ca. 25 Grad trockene Wärme) ist, abends hol ich meine Jacke gerne raus (ich schätze mal 15 Grad)!

Montag, 11. Januar

Brrrrr, es ist kalt. Und neblig! Doch das gehört hier eben zur cold season… Ein leckeres, umfassendes Frühstück macht mich wach und unternehmungslustig… die Ober hier sind sooo wahnsinnig freundlich, ich bin immer wieder hocherfreut. Und sie freuen sich offensichtlich auch.

Los geht´s also runter zum Fluß, auf dem Weg noch am Gemüsemarkt vorbei… na sagen wir Frischemarkt. Alles was Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch ist wird hier frisch angeboten. Und ja – es sieht auch lecker aus. Alles sauber und schön dekoriert, selbst Fisch und Fleisch. Keine Fliege, kein Geruch… das kenne ich auch anders (würg). Und alle lächeln mich an und wünschen mir ein frohes Mai son ka (was das gleiche ist wie Minga la ba nur auf Shan eben – ich sagte schon es gibt drei Ethnien und somit auch drei Sprachen; Shan ist ähnlich wie Thailändisch). Am Fluss steige ich in ein schmales, langes Holzboot mit Motor und werde mit meinem Guide zusammen den Fluß hinaugefahren. Er will mir ein Kloster am Berg und im Wald zeigen. Über 200 Jahre alt und angeblich genau an dem Ort gegründet, wo ein alter Mönch zufällig eine Buddha-Statue gefunden hat. Der Klostervorsteher ist Schreiner und baut Möbel, die er der Schule des Dorfes spendet, Die Menschen aus dem Dorf spenden dafür Decken und Essen an die Mönchen.  Es liegt idyllisch, dieses Kloster inmitten von hügeligem Gelände auf dem Ananas und Melonen, Mais und Bananen angebaut werden. Zur Belohnung für den Aufstieg bekomme ich Tee und Ananas. Und darf im idyllischen Hof rasten und natürlich – fotografieren… Nebenan lehrt ein Mönche die Novizen, sie sprechen ihm nach… ich nehme an Gebete.

Inzwischen hat sich auch der Nebel gelichtet und die Sonne strahlt wieder warm auf dieses schöne Fleckchen Erde. Die Ruhe der Natur tut gut – im Vergleich zum Gewirbel und Lärm der kleinen Stadt… auch hier ist der Verkehr rasend und hupend laut. Ich schweige und genieße den Abstieg wieder hinunter zum Boot. Weiter geht es ein paar Stromschnellen hinauf zu einem Shan-Village, in dem ich meine Mittagssuppe in der offenen Kiosk-Kneipe einnehme… zusammen mit einigen Dorfbewohnern, die mit dem Handy per Lautsprecher zu Dritt mit einem Vierten am anderen Ende telefonieren. So ist gleich das ganze Dorf über alles informiert. Effizient würde ich sagen.

Um 13.30 Uhr bin ich zurück am Hotel und genieße eine Siesta… etwas dösen und lesen im Halbschatten unter den riesigen Bäumen über meinem Pavillon. Schon schön so…

Ich hatte mir noch vorgenommen zur Sunset-Pagode zu laufen. Dazu mache ich mich um 16.00 Uhr auf den Weg. Sie liegt am anderen Flussufer oben auf dem Hügel und glitzert mir entgegen. Der Weg schlängelt und zieht sich hin und her und ich brauche fast eine Stunde um hinzugelangen. Und der Weg hat sich gelohnt! Es ist großartig da oben… einige wenige Touris sind auch da (na klar) und ich komme ins Gespräch mit einer Holländerin. Wie gut, denn sie gibt mir den Tip für meine morgige Aktivität ;-)

Auf dem Rückweg hält ein Schotte mit Motorrad neben mir an und fragt mich ob ich mitfahren will – na nichts lieber als das! Und schwups bin ich per Zweirad wieder unten im Ort… er ist hier schon 1 Woche und fährt die Gegend mit dem Bike ab. Und er gab mir ebenfalls einen wertvollen Tipp – so wird´s eine bunte Mischung von Reisen nach Tipps. Wie schön!

Ein leckeres Abendessen à la Shan mit Reis, dem besten Kartoffelsalat meines Lebens und einer Art heißen Hühnchenpastete im Bananenblatt mit viel Koriander runden den Tag delikat ab. Was will der Mensch mehr… I am happy!

Dienstag 12. Januar

Ich bin angekommen … hier bei diesen freundlichen Menschen, in der Gelassenheit und der Gewissheit … alles ist gut. Was anfänglich noch mit viel „Gedankenmachen“ verbunden war, fügt sich jetzt… Ruhe kehrt ein, die Langsamkeit des Seins. Es hat eine Woche gedauert. Aber jetzt!

Einen großen Anteil daran haben diese Menschen hier. Es kümmert sie nichts, sie sind freundlich, souverän, herzlich und lächeln… echt (nicht aufgesetzt), sie freuen sich, wenn du mit einem Lächeln und „Minga la Ba“ grüßt, sie sind einfach wie sie sind. Happy. Und das obwohl sie sicherlich sehr arm sind und wenig (im Vergleich zu uns Europäern oder Deutschen) zu lachen haben. Einfache Bambushütten, das Gemüse im Garten, wenn´s hoch kommt ein Wasserbüffel.  Viele haben noch viel weniger und sie lächeln doch. Ganz nach Valentin „Ich freu mich, wenn es regnet, weil wenn ich mich nicht freu, regnet es auch“ – in diesem Fall ist der Regen sinnbildlich die Armut.

Morgens mach ich mich unter findiger Führung auf dem Weg zum Regional-Bus (den hätte ich nie gefunden!). Abfahrt 7.30 Uhr Richtung Kyaukme… ist nicht weit, aber dauert knappe 2 Stunden, denn der Bus hält an beinahe jeder Ecke, nimmt Passagiere oder Waren auf. Keine Ahnung wie das System funktioniert, aber leere Körbe aus Hsipwa landen irgendwo auf der Strecke geplant auf einem Hof, volle Reissäcke, Autoreifen und sonstiges wird entlang der Straße eingesammelt und am Bestimmungsort abgeliefert – ganz ohne, dass ein Mensch dies anordnen würde… wie von Geisterhand. Ich sitze zwischen lauter Marktfrauen mit ihrem Gemüse oder Müttern mit Kindern auf und über Reissäcken und randvoll gefüllten Körben. Es herrscht eine gute Stimmung im Bus – von ganz vorne schreit man nach hinten… die Busbegleiter, die in der offenen Türe stehen wissen genau, wer wann aussteigen will und sortiert die Sitz- bzw. Stehplätze entsprechend. Noch einmal: der Fahrer sitzt rechts am Steuer und es herrscht Rechtsverkehr: er sieht also rein gar nichts beim Überholen! Dafür hat er seine Busbegleiter, die links halb aus der offenen Türe raushängen! Sie schreien ihm dann zu, wenn er überholen kann oder eben auch nicht ;-).

In Kyaukme angekommen holt mich Hannah vom Bus ab. Wir sind verabredet zu einer kleinen Wanderung durch die Hügel rund um Kyaukme, wo neben 37 Pagoden, Klöstern und Klosterschulen unglaublich viel Ackerbau betrieben wird. Was da alles angebaut wird sehe ich nachher auch auf dem wundervollen Markt in der Stadt. Der Ort liegt eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, ist touristisch so gut wie null erschlossen. Das ist ganz wunderbar! Denn ich bin die Attraktion – wo immer ich auftauche! Dank Hannah wird mir jede Frage übersetzt, neben dem üblichen woher, wohin auch z.B. was ich so esse, denn das sei es ja wohl, was mich so groß mache! (Hannah ist nur etwa 1,50 kurz – insofern ein netter Gegensatz ;-)). Zum Mittagessen bin ich in ihrem Elternhaus geladen. Papa begrüßt mich – nachdem er erfahren hat, dass ich aus München bin – gleich mit Oktoberfest, FC Bayern und Zugspitze. Er ist gebildet! TV machts möglich – sie schauen sich gerne Reportagen aus fremden Ländern an (seitdem das geht …. und das ist noch nicht allzu lange!). Mama hat gekocht – wunderbare Shan-Nudelsuppe und porchierte Eier. Ich werde verwöhnt!

Nach dem leckeren Essen will mir Hannah noch die Handwerksbetriebe der Stadt zeigen. Wir düsen los mit ihrem Motorroller – ein wunderbares Gefühl! Wie einer von den ihren sitze ich hinten drauf und genieße den Trubel des Verkehrs. Erste Station ist die Bambuspapierherstellung mit einer alten Tiefdruckwalze! Ich kann mich gar nicht genug daran satt sehen wie aus den getrockneten feinen Streifen Bambus durch Wasser und Rühren eine Maische wird, die dann durch die Walzen auf Samtbänder gepresst und aufgewickelt, später dann davon runtergepult und ausgebreitet wird. Es ist grobes Papier, zum Schreiben sicher ungeeignet. Die Herstellung hier ist für die Chinesische Neujahrsfeier, wo speziell gestanzte, goldene  Papiere verbrannt werden (als Symbol für Glück). Die nächste Station ist eine Zigarrenfabrik… eine Reihe von Frauen sitzt am Boden und rollt in Akkordarbeit Tabak in grüne Blätter. Sie kichern und gackern weil ich so groß bin, dass ich mich unter den Balken stets runterducken muss… wir haben alle zusammen viel Spaß! Zum Schluss bekomme ich eine Zigarre geschenkt und wir verabschieden uns herzlich! Weiter geht´s zur landwirtschaftlichen Verarbeitung von Mustardblättern (eine gemüsetechnische Leckerei – ähnlich im Geschmack wie Mangold, die ich hier schon oft genießen durfte!) und zur Rettich-Fermentierung (jawoll – ich fühle mich wie zu Hause: der Radi sieht ganz genauso aus!). Wir kommen an zahlreichen Stellagen vorbei an denen Blätter aller Art getrocknet werden, Tee liegt auf Tüchern ausgebreitet am Boden.

Im Anschluss sehe ich mir noch an, wie und wo das alles verkauft wird. Der Markt in Kyaukme ist wunderbar – bunt, umtriebig, gleichzeitig gelassen, vielfältig und sehr ansprechend! Selbst das angebotene Fleisch oder der frische Fisch sind appetitlich angerichtet. Ich würde hier auch einkaufen – direkt weg von der Straße… (das war in Yangon nicht so, da hätte ich nichts angerührt). Der Verkauf scheint fast ausschließlich Frauensache zu sein. Es ist auch stets Zeit für ein Schwätzchen und beinahe jede der Frauengrüppchen kichern, wenn sie mich sehen, lächeln mich dann herzlich an und freuen sich über mein lächelndes „Minga la ba“. Zwischendrin wandere ich noch vor bis zum Bahnhof, denn man sagte mir, da gäbe es ein wunderbares Cafe, geführt von einem Texaner, der hier lebt. Und wahr ist es, der beste Cappuccino seit München erwartet mich dort!

Die blaue Stunde verbringe ich auf dem Vorplatz der über dem Ort liegenden Peace-Pagode. Etwa 200 Stufen bin ich hinauf geklettert – und es hat sich sehr gelohnt! Die kleinen Novizen-Mönche sind noch am Hof kehren und gucken schüchtern rüber. Erst als sie im Haus sind, winken sie frech aus den Fenstern und rufen Happy birthday und thank you and good bye… das sind die Worte, die sie im Englisch-Unterricht gelernt haben. Sooo cute ;-) Ich hab die Menschen schon jetzt sehr in mein Herz geschlossen mit ihrer unvoreingenommenen Herzlichkeit. Love it!

Noch eine kleine Geschichte: Die Palaung (eine der drei Völkergruppen, neben den Shan und den Burmesen) haben noch immer Gefechte mit der Regierung. Teilweise sind die Frauen geflohen und finden nun ganz selbstverständlich Obdach bei den Shan. Man hilft sich untereinander und obwohl alle arm sind, wird gerne geteilt! Das finde ich vorbildlich … (angesichts unserer Diskussion um die Flüchtlinge). Auch das friedvolle Miteinander aller Religionen (Christlich, Muslimisch und Buddhistisch) beeindruckt mich. Es herrscht eine gegenseitige Toleranz und man achtet sich in seiner Unterschiedlichkeit. Schön zu sehen, dass es funktionieren kann.

Mittwoch 13. Januar

Morgens habe ich ausreichend Zeit den early morning market in Kyaukme zu besuchen und gehe noch einen leckeren Cappuccino im Payang Cafe des Texaners trinken. Um 11.30 Uhr geht mein Zug – sollte er gehen ;-)

Als ich im Hotel ankomme sind zwei holländische Männer beim Frühstück. Sie wollen mit dem gleichen Zug fahren. Von hier nach Pyin Oo Lwin. Und ihr Guide hat ihnen mitgeteilt, dass der Zug nicht vor 13.00 Uhr hier eintreffen wird. Also tun wir uns zusammen und ich zeige ihnen nochmals das Cafe… sie genießen Cappuccino und Pancakes, ich bekomme eine Einladung. Um 13.00 Uhr sind wir am Bahnhof – vom Zug weit und breit nichts zu sehen, aber einige andere Touristen bzw. deren Führer wissen Bescheid, etwa halb drei wird die Abfahrt sein. Gut, dass das Cafe genau gegenüber vom Bahnhof liegt.

Dann ruckelt er an, der Zug. Alte Dieselmaschine, einfache Wagons mit Holzsitzen, doch wir alle haben Upper class ;-) – da sind die Sitze gepolstert. Es geht langsam durch eine erstmals gelb-abgeerntete Reislandschaft, hier wird das Stroh gedroschen und gehäckselt… im Hintergrund lange Hügel- und Bergketten. Langsam wandelt sich die Landschaft. Die Reisfelder sind grün und frisch und voller Wasser… hier also wächst er gerade noch, während er ein paar km vorher schon geerntet war. Es ist eine stark landwirtschaftlich genutzte Gegend mit allerlei verschiedenen Feldern voll Korn, Mais, Gemüse und natürlich Reis. Der Zug ruckelt und wackelt wie ein Schiff auf hoher, stürmischer See. Wer hier einen schwachen Magen hat, hat schlechte Karten. Ich find´s lustig. Es ist eine Mischung aus Seegang und Reiten, schlingern und hoppeln.

Nach 2,5 Stunden dann schlängelt sich er Zug in Schlangenlinien bergab… der Canyon rückt näher, die Vorfreude auf das Viadukt steigt. UND – es könnte keine bessere Zeit sein, denn die Sonne taucht die Landschaft in goldenes Licht! Der Canyon mit seinen roten und gelben Felsen leuchtet im Grün der Vegetation. Das Viadukt, ein eisernes Koloss, leuchtet uns entgegen. Ganz langsam rollt der Zug darüber, wir können tief in den Schlund des Canyons schauen. Ein großartiges Schauspiel in der langsam sich gen Horizont neigenden Sonne!

Meine mitreisende Österreicherin erzählt ein wenig…. sie und ihr Mann reisen seit 15 Jahren jedes Jahr 5 Wochen über Weihnachten in ein Land ihrer Wahl – mit dem Rad!!! Sie erkunden also jedes Land auf dem Zweirad! Wie großartig! Laos, Kambodscha, Vietnam, aber auch Afrika und Südamerika. Welch ein abenteuerlustiges Paar! Bewundernswert! Im richtigen Leben arbeiten sie in einer internationalen Versicherungsgesellschaft in Wien, sie liebt ihren Job als interne Prozessberaterin für die Tochterunternehmen, aber ihre Leidenschaft gehört dem Reisen per Rad!

19.30 Uhr dann Ankunft in Pyin Oo Lwin, nach 5 kurzweiligen Stunden, etwa 100 tollen Fotos und stundenlangen spannenden Reisegeschichten. Und natürlich hab ich wieder tolle Tips bekommen für Myanmar, also z.B.: Weinprobe am Inlesee und zwar den Sauvignon Blanc (oh so ein Glück – mein Lieblingswein!!!) und ich soll unbedingt Ballonfahren am Inlesee oder/und Bagan. Beides sei einzigartig – na dann ;-) was sollte mich vom Fliegen (in dem Fall heißt es allerdings fahren) abhalten?! Yes, I will.

Donnerstag, 14. Januar

Reisen … langsam komme ich an in der wunderbaren Leichtigkeit des Seins… es hat 10 Tage gedauert. Jetzt ist es so … sein (lassen), treiben lassen … es ist wie schwimmen im Toten Meer: voller Leichtigkeit ohne tun (zu müssen).

Ich habe heute ein Rad (na ja, so was ähnliches zumindest, denn die Räder hier sind für Menschen gebaut, die maximal 1,50 m groß sind ;-)). Aber es geht und es ist wunderbar durch die breiten Boulevards der einst hochherrschaftlichen Kolonialstadt zu radeln. Einst prächtige Villen dämmern in morbiden Schlaf in wundervollen Gärten voller herrlicher Bäume und Blumen. Ich radle also in die Stadt zum Zentrum in dem eine einst prächtig weiße Kolonial-City-Hall prangt, gleich daneben ein Uhrturm aus guten englischen Zeiten. Ansonsten ist alles eben Myanmar. Die kolonialen Häuschen sind farbig bunt gestrichen, Wäsche hängt über allen Balkonen, es ist emsiges Treiben – besonders rund um den Markt, der mich wie immer gefangen nimmt mit seiner großen Auswahl an Früchten und Gemüsen. Selbst die  Fleisch und Fischauslagen an den Straßenständen sind appetitlich – schön angerichtet und laden zum kaufen ein. Das freundliche Lächeln und ein Minga la ba lassen Gesichter aufleuchten, ich werde mehrfach angesprochen – die Menschen hier testen ihr Englisch und sind glücklich, wenn sie sich ein wenig mit mir unterhalten können … „how is economy in Germany“, „what´s your profession“, „do you like our country“.

Nach einigen Stunden rumstromern durch die Straßen gönne ich mir einen Cafe und Kuchen in der Nähe des Marktes. Eine Familie kommt herein, der Junge, etwa 11 Jahre alt, ganz chic im Nadel-Anzug! Etwas schüchtern drückt er sich hinter Mama, dann grüße ich herzlich und alle Gesichter strahlen… er hat heute einen Ehrentag, welchen weiß ich nicht, seine Eltern sind stolz, das sieht man ihnen an und er darf sich Kuchen bestellen… und freut sich. Ein so schöner Anblick – diese glücklich-stolze Familie!

Mit dem Rad mache ich mich auf den Weg in die äußeren Stadtrandgebiete, entdecke wunderschöne Pagoden, einen Hindutempel und eine Moschee. Friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen. Und allen ist eines gemeinsam – ein Lächeln und scheues Zugewandtsein dieser Fremden, großen Frau gegenüber, die da durch ihre Heimat zieht. Ich fühle mich in jeder Umgebung mehr als willkommen!

Um die Mittagszeit setze ich mich an den See in ein Restaurant und genieße einen Cappuccino, als ich zum 3. Mal nunmehr meine Mitreisenden aus dem Zug treffe: das österreichische Paar – Jana und Peter -, das Myanmar mit dem Rad bereist und nicht nur dieses Land … sie haben so viele Länder bereits auf zwei Rädernd durchwandert, dass ich es nicht satt werde ihren Erzählungen zu lauschen! Viele ihrer Tipps notiere ich mir – wer weiß, wann ich sie einlösen werde. Wir beschließen zum Botanischen Garten zu fahren und erkunden ihn unabhängig voneinander auf jeweils unseren eigenen Pfaden.

Was für ein Garten! Wundervoll großflächig, natürlich angelegt mit schönen Arrangements von Blütenbeeten, Baumgruppen, Wäldern und konzentrierten Pflanzungen… mein Weg führt mich über Holzstege zur im Wasser gelegenen Pagode, hinüber ans andere Ufer des Sees… dem Weg folgend wandle ich unter blühenden Kirschbäumen zum Orchideenhaus – ein Fülle wundervoller, in allen Farben blühender Orchideen erwartet mich und natürlich meine Kamera, die ihr bestes gibt! Ich freue mich so über diesen „Ersatz“kauf (nach dem Diebstahl meiner gesamten Ausrüstung beim Flug von Ibiza nach Hause) und bin meinem lieben langjährigen Berater und Freund Erich unendlich dankbar für diesen Tipp! Vom dort aus wandere ich Richtung Bambuswald und treffe auf eine Gruppe von 5 Mönchen, die sich gegenseitig fotografieren vor Blumenbeeten… ich frage ob ich sie alle zusammen fotografieren soll und sie freuen sich über mein Angebot. Und dann wollen sie auch ein Foto von mir mit ihnen – und ich natürlich auch! Sie kichern und gackern wie die Hühner, weil ich sie um andertalb Köpfe überrage … das wir das Lieblingsfoto meines Tages! Marion mit Mönchen ;-))

Der Bambuswald überwältigt mich! Dicke Stangen ragen bestimmt 20-30 Meter in den Himmel und bilden einen Stangenwald der mir den Atem verschlägt. Das schräge Licht lässt den gesamten Wald zu einem Märchenwald werden. Unbeschreiblich! Über lange Holzstege wandle ich durch die Sumpflandschaft zurück gen Ausgang und gerate mitten hinein in ein Hochzeits-Fotoshooting … ohhhh weh, das arme Brautpaar! Es sah nicht gerade begeistert aus.

Auf dem Rückweg geht grad die Sonne in rötlichem Licht über dem Aussichtsturm und See unter … ein schönes Bild.

Zurück im Hotel sortiere ich noch meine Bilder, dann bin ich um halb sieben mit Jana und Peter zum Essengehen verabredet… ein wunderbarer Abend am See, der gekrönt ist – einerseits von den tollen Reisegeschichten der beiden, andererseits von einem leckeren Sauvignon Blanc aus Myanmar!!! Unfassbar! Mein Lieblingswein hier angebaut und soooo lecker! What a day ;-)))))

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