Shanghai: Wirtschafts-Wunderland

Die 5 Stunden Zugfahrt von Peking hierher vergingen im Fluge… ich hab einfach mein Peking-Fotobuch gemacht. Der Zug flog dahin – wie auf Wolken. Kein Ruckeln, kein Rattern… schwups Ankunft in Shanghai. Der Fahrer von der Agency erwartet mich. Und er ist ein lustiger Typ. Spricht zwar nur 3 Brocken englisch – und zwar unzusammenhängend – aber er macht sich verständlich. Wir haben die eine Stunde Fahrt hinein in die Häuser-Schluchten von Shanghai einen Riesenspaß… dabei erklärt er mir gleich das eine oder andere (ich interpretiere seine Erklärungen – wie sich später herausstellt nicht so schlecht). Wir fahren also rein in die Wolkenkratzer-Skyline Shanghais. Beeindruckend! Immer wieder dazwischen liegen kleine Häusergruppierungen. Und mein Fahrer hebt den Daumen nach oben… „old Shanghai“ – so sah´s wohl früher mal aus. Bei den Wolkenkratzern verzieht er das Gesicht, schüttelt den Kopf und sagt „no, no, no“. Na gut, denk ich mir …

Direkt gerade aus zu geht es auf der „Elevator-Street“ – einem hochgesetzten Mittleren Ring unter dem normale Straßen, Häuser, Geschäfte und buntes Treiben herrscht – auf „The Bund“ zu: die Promenade Shanghais am Huangpujiang River. Der Fluss macht hier eine Biegung und unterteilt Shanghai praktisch in 2 Hälften: das Geschäftsviertel diesseits Puxi und gegenüberliegend das Finanzviertel Pudong.

Angekommen im Hotel lade ich nur kurz ab und mache mich über die Garden-Bridge (eine alte koloniale Eisenbrücke) direkt auf den Weg den „Bund“ zu erobern! Und – wow – das ist faszinierend! Diesseits der breiten Promenade die hochherrschaftlichen kolonialen Bauten, jenseits die futuristischen Wolkenkratzer mit den riesigen LED-Bildschirmen an den Fassaden und der Oriental Pearl Tower. Wie zwei Welten, die sich gegenüberstehen und gut miteinander harmonieren…

Die Sonne ist eben untergegangen, es dämmert noch. The Bund füllt sich immer mehr mit Leuten und die Fassaden bekommen Lichterglanz! Auf dieser Seite in royalem Gelb-Gold, jenseits in schillernden bunten Tönen. Ein Augenschmaus, ein Feuerwerk für die Sinne… Angekommen in einem gaaaanz anderen China (im Vergleich zu Peking).

Shanghai ist fast ebenso groß, aber eben sehr westlich… nachzulesen bei Wiki – also DIE Wirtschaftsmetropole Chinas: riesiger Hafen (der Huangpu-River mündet schlussendlich ins Gelbe Meer), Finanzwelt, Textilwirtschaft und was weiß ich noch alles… Hier werden jedenfalls Millionäre gemacht: was man allein schon an der Dichte der Porsche, Mercedes, BMWs und auch Lamborghini und co erkennen kann.

Ich beschließe den ersten Abend mit einem kleinen Imbiss an der Straßenküche (hier gibt es kleine Fleischbällchen in Hülle und Fülle!) und schlafe ganz wunderbar in Erwartung einer lebendigen Stadt morgen…

 

  1. März

Brrr, wer hat das Wetter bestellt? Nebelig und kalt (10 Grad) – na gut – ich kann mich wohl beschäftigen ;-) bin ja in Shanghai, der Shopping-Stadt schlechthin! Doch zunächst verschaffe ich mir einen Überblick – ja, mit der Karte (das habe ich bereits im Vorfeld getan) – live dann per Hop-on/off-Bus. Prima Einrichtung, 3 Linien und ich komme für 14 Euro überall hin. Zunächst Old Shanghai, Yu-Garden und Peoples-Square. Buntes Treiben allerorten. Mir kommt´s ein wenig zu sehr „gestellt“ daher. Eher touristisch, wenngleich auch hier nicht viele Europäer zu sehen sind (doch deutlich mehr als in Peking!). Am Peoples Garden werde ich doch glatt 3 x angesprochen – die gleiche Masche wie in Peking! – ha, und ich habe gelernt… ich gehe nicht mit sondern verabschiede mich freundlich. Fehler darf man ja machen, aber eben nur einmal, dann sollte man gelernt haben. Ich habe!

Es ist immer noch kalt, also nehme ich noch mal den Bus einer anderen Linie und kutschiere durch die Häuserschluchten und Shopping-Straßen – und – ja auch an den „alten“ Stadtvierteln des traditionellen Shanghai vorbei. Auch diese sind – ähnlich wie die Hutongs – im Quadrat gebaute Viertel, ummauert, bestehend aus rechteckig zulaufenden Gassen und Häuserkomplexen, hier allerdings 3-stöckig. Ich kann in viele Gassen reinblicken und sehe dahinter … na sagen wir Armut. Viele der Flächen, auf denen solche Viertel standen sind eingerissen oder werden gerade eingerissen. Abbruch an allen Ecken und Kanten. Wenige Häuserteile wehren sich anscheinend (ich kann das nur vermuten anhand der großen Transparente rundrum und aus allen Fenstern und weil sie halt einzeln immer noch stehen, obwohl alles außen herum schon abgerissen ist). Es wird hier wohl Platz gemacht für noch mehr modernes Shanghai mit hohen Shopping-, Büro- und Hotelkomplexen. Mir ist ein wenig mulmig… und ein Gefühl beschleicht mich.

 

Shanghai – strahlst du schon oder blendest du noch?

Ich steige am Peoples Place wieder aus um die Nanjing-Straße hinunter zu laufen – die Shoppingstraße neben der Huahai-Road. Shop til you drop ist hier die Devise! Es gibt nichts was es nicht gibt – vom Ramsch-Kaufhaus bis Hermes und Gucci – und zwar auf 23 Stockwerken und in einem Übermaß, dass ich mich ernsthaft frage „wer soll das alles kaufen?“. Die Straßen sind voller Menschen mit Tüten und aufgeregtem Hin- und Her. Und ich traue fast meinen Augen nicht… Kaufrausch pur. Ich verziehe mich in kleine Nebengassen, wieder dieses alte Shanghai mit seiner Einfachheit: Wäsche, die über die Straße aufgehängt wird, Gemeinschaftsklos, Suppenküchen, ein wildes Durcheinander von Stromkabeln und Wasserleitungen und hunderte Eingänge in vermutlich Mini-Behausungen in jeder Gasse… hier glitzert Shanghai nicht… auch nicht in den Augen der Menschen, die hier vielleicht nur Krumen des fetten Bratens der Wirtschaftmetropole abbekommen.

Mein Gefühl verstärkt sich: Glanz und Glitzer an den Boulevards, als gäbe es nur eine Antwort auf die drängenden Fragen: Konsum, Konsum, Konsum – je mehr, je edler, je teurer – je besser. Und hinter der Fassade? Vielleicht bin ich etwas zu empfindlich, aber ich empfinde es ein wenig als Show, zu wenig authentisch, zu wenig ehrlich, gerade heraus. (Vielleicht auch nur im Vergleich zu Peking? Oder weil der Gegensatz so krass ist? – ich weiß es nicht. Es ist eben grad mein Empfinden).

Im Übrigen – ja, ich habe geshoppt ;-) – hat Spaß gemacht! Nichtsdestotrotz… dem Bettler (der übrigens sofort von der Polizei verscheucht wurde), der mich mit seinen verkrüppelten Händen rührte, habe ich auch einen guten Mittags-Tisch verschafft. Ist das eine Doppelmoral? Tja, so sei es drum … es ist die meine.

Was mir sehr gefallen hat ist die ehemalige französische Konzession (waren in Shanghai mal die Franzosen als Kolonialherren? – da darf ich mal Wiki befragen…). Platanengesäumte Alleenstraßen und links und rechts schöne Steinhäuser, 2-3-stöckig. Natürlich wieder alles Läden und Restaurants, klein und fein. Ein Bilderbuch-Viertel – ein wenig wie Soho in NYC. Schick, in altem Kleid ist auch die sogenannte Altstadt Xin Tian Di. Wundervolle alte Steinhäuser, innen komplett modernisiert, und bestückt mit Kneipen, Läden, Kunstszene und Bars. Ein kultiviertes Ausgehviertel würde ich sagen… das wird dann was für morgen Abend (beschließe ich so mit mir).

Um 18.00 Uhr geht´s los zur Bootstour…. genial, diese farblich illuminierten Tower auf der Pudong-Seite, die sich im Wasser spiegeln! Ich unterhalte mich mit einem jungen Pärchen aus San Franzisco. Sehr nett.. sie fragen mich, ich sie, was wir von der Stadt halten – und kommen zum gleichen Ergebnis… Vorne Schein und dahinter? Vielleicht sind es die Menschen (darüber sind wir uns einig), die sich so sehr egozentrisch verhalten – vielleicht weil sie vom Erfolg geprägt sind, sich als was besseres fühlen? Wir bleiben bei der Meinung – etwas eigenartig, nicht ganz authentisch.

Nach der Bootsfahrt (ver-)laufe ich (mich) noch durch die Straßen am Yu-Garden entlang durch die Shanghai Old Street, durch Hintergassen mit Suppenküchen und rein chinesische Vierteln mit Ramschläden und Supermärkten bis ich wieder in die Gegend des Peoples-Place komme. Hier entdecke ich einen Tower mit einem Außenaufzug und suche und finde den Eingang! Ab hoch in den 76. Stock mit Blick über Puxi. Super!

Zurück geht´s wieder über die jetzt neongrell beleuchtete Nanjing-Road bis zu einem kleinen Bistro kurz vor dem Bund. Einkehrschwung!!! Es gibt hier nämlich Wein – einen chilenischen Savignon Blanc. Das gönn ich mir heute und dazu eine schöne Suppe…. und dann ab in die Federn mit den müden Beinen.

 

 

  1. März

Happy Birthday Good Morning… es ist noch nebelig, aber der blaue Himmel scheint schon durch! Geburtstagswetter – wie bestellt ;-). Und los geht´s. Heute fahre ich rüber in das Manhattan des Ostens (so wird Pudong genannt), das größte Finanzzentrum Asiens (?) jedenfalls strebt es danach. Die Skyline sieht ja schon vom diesseitigen Ufer sehr imposant aus. Mit dem Oriental Pearl Tower und dem World Financial Centre neben dem „Flaschenöffner“-Turm, dem Jin Mao Tower. Mit dem Bus geht´s über die Nanpu Bridge, eine Seilbrücke von erhabener Größe. Aber am besten sind die Loopings, die die Straße hinauf nimmt. In 3 Kreiseln gigantischen Ausmaßes schlängelt sich die 6-spurige Straße hinauf zur Brücke. Der Blick wunderbar über den Huangpu auf die Stadt.

Im Finanzzentrum angekommen lichten sich gerade die Dunstschleier und der Fernsehturm gibt seine Spitze preis. Die Sonne spiegelt sich in den vielen Glasflächen der Hochhäuser und Türme. Ich bekomme Genickstarre vom hoch gucken. Ich umrunde das Finanzzentrum einmal entlang der Flußpromenade, nicht ohne immer wieder in ausgiebigen Pausen die schönen Ausblicke in beide Richtungen zu genießen!

Noch ein Blick in die Super Brand Mall und ich bin abgefüllt. Übrigens auch die Speicherkarte des Fotoapparates… das hatte ich noch nie, dass die schon am Mittag voll ist!

Zurück geht´s mit der Fähre über den River – Blick voraus auf die Art-Deco- und Kolonialbauten, Blick zurück auf das moderne Finanzzentrum. Letzteres ist übrigens noch gar nicht so alt. Vor 15 Jahren war hier noch Sumpfland, bis die Regierung beschloss zum Finanzzentrum aufzusteigen. Und der Plan sieht eine Verdoppelung der Fläche vor. Ein Bauvorhaben, das ich beim Rundgang sah, war der Bau eines Aqua-Cubes nach dem Vorbild Pekings. Na, das schau ich mir dann in 10 Jahren noch mal an.

Zurück am anderen Ufer – dem Paris des Ostens, wie es genannt wird – geht´s erstmal in den Yu-Park… eine schöne Anlage zum Wandeln und Relaxen. Hinter den Blumenbeeten, Bambushainen und Grünflächen ragen die Skylines auf. Übrigens auch hier wird die Masche mit dem Cafetrinken wieder angewendet… langsam sollte ich mir ein Schild umhängen „Die Masche kenn ich schon!“. Durch die Old Shangai Road mit ihren Billiggeschäften und einem unglaublichen Getümmel, vorbei an mittäglich gefüllten Suppenküchen an der Straße geht´s weiter Richtung Altstadt. Xin Tian Di ist ein Stadtteil, der noch aus den originalen alten, 2-stöckigen Steinhäusern besteht. Daran angrenzend ein schöner großer Park und umgeben ist das ganze von Glas-Türmen… eine eigenwillige und sehr spannende Mischung! Die schön restaurierten alten grauen Steinhäuschen mit ihren Holzbalkonen und dahinter die aufragenden Glaspaläste. So ist Shanghai. Eine Stadt der Gegensätze! Immer wieder ist das spürbar… auch als ich heute genau jene Abbruchgebiete genauer inspizierte, die mir gestern so ein wenig ein flaues Gefühl gegeben haben. Ich habe mich noch mal schlau gemacht. Ja, genau, die Flächen werden abgerissen für neue Bürotürme. UND – es gibt ein staatliches Wohnungsprogramm, die Menschen werden in Hochhäuser (sozialer Wohnungsbau) gepackt. Ob sie da glücklicher sind? Sicherlich ist das mehr Komfort, Heizung, fließend Wasser etc… aber die Gemeinschaft eines Hutongs ist es halt auch nicht mehr mit den kleinen Lädelchen, Suppenküchen, Wäschereien, Werkstätten… Ich habe niemanden fragen können, denn englisch kann die einfache Bevölkerung ja bekanntlich nicht.

So – nun also zurück zu Xin Tian Di: Hier gibt’s einen Geburtstagskuchen und Cappu für mich. Ich sitze in der warmen Sonne – ohne Jacke! Es ist richtig warm! – und genieße das Getümmel. Vor mir das Art&Design-Zentrum, um mich herum Läden, Cafés und Restaurants. Da geh ich heute Abend hin um mein Geburtstagsessen zu zelebrieren! Yes – und nein, keine chinesisches Restaurant.

Zu Fuß geht´s weiter über die Huahai-Straße (wieder Konsumpaläste ohne Ende von der feinsten Sorte: Gucci, Tiffany, Prada etc…) zum Grand Theater, dem Shanghai-Museum und einem Rundbau, in dem der erste Nationalkongress abgehalten wurde (oder so was ähnliches). Mich erinnern diese kommunistischen Bauten immer an unsere Nazi-Bauten. Ähnlichkeiten sind allemal da. Schon am Platz des himmlischen Friedens beschlich mich dieses Gefühl. Da mach ich also keinen Abstecher rein, nur die Gärten rund herum sind mit ihren frisch gepflanzten Blütenmeeren eine Augenweide. Und die breite Allee-Promenadenstraße ist wirklich beeindruckend.

Schlendernd und fotografierend (ja, ich habe eine zweite Speicherkarte dabei ;-) erreiche ich wieder den Peoples Place. Heute ganz anders mit der Sonne! Die Menschen sind aufgeweckter, die Magnolien locken viele zum fotografieren, Kinder spielen mit Seifenblasen, Menschengruppen stehen beisammen, diskutieren und lachen.

Die Nangjin-Road führt mich wieder Richtung Fluss. Und dort erwartet mich noch einmal die Skyline. Diesmal in der langsam untergehenden Sonne in Gold getaucht. Es ist zwar etwas diesig, aber ich kann mir vorstellen wie beeindruckend es ist bei klarer Sicht! (Danke an dieser Stelle lieber Marc Schneider für den Tip ;-)).

Nach einem Refresh im Hotel geht´s los – Partytime in Xin Tian Di! Zum Abendessen wähle ich einen schönen Platz draußen – es war zufällig ein Spanier, es gibt Guacamole mit Thunfischtartar und ein Steak dazu Prosecco und Vina Sol… da freut sich der Magen und die Seele. Das Essen ist genial lecker und der Service exzellent! Anschließend wandle ich durch die Gassen, bis mich eine Jazzkneipe mit guter Soulmusik lockt. Zwei Magherita später habe ich einen in der Krone und es ist fast Mitternacht… ab zurück mit dem Taxi! What a wonderful day! Love it!!!

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